In gut drei Wochen wurden 45 Zeugen vernommen und etliche Stunden Video-Material gesichtet. Ärzte gaben ihre Expertise ab, Polizisten wurden befragt, Passantinnen und Passanten beschrieben, was sie sahen und hörten.

Nun sollen zwölf Geschworene im Prozess um den Tod des Schwarzen George Floyd in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota eine Entscheidung fällen. Ist der frühere Polizeibeamte Derek Chauvin, der am 25. Mai des vergangenen Jahres bei einem Einsatz auf Floyds Genick kniete, schuldig oder nicht schuldig? Muss er nach dem Spruch der Jury für Jahrzehnte ins Gefängnis oder kommt er womöglich mit einer milden Strafe davon?

Die Geschworenen werden streng von der Öffentlichkeit abgeschirmt und müssen bis zum Ende des Verfahrens in einem Hotel wohnen. Üblicherweise sorgt diese Art der Kasernierung dafür, dass die Beratungen der Jury schon nach einigen Stunden zu Ende gehen. Manchmal, wenn die Sache besonders kompliziert ist, kann sich das Ganze aber auch über Tage hinziehen. Trotz Kasernierung.

Richter Peter Cahill klärte die Geschworenen kurz vor Beginn der Beratungen über ihre Rechte und Pflichten auf: Er mahnte sie zur Sorgfalt bei ihrer Arbeit. Sie sollten generell keine Nachrichten schauen und sich nicht ablenken lassen. »Nehmen sie sich die Zeit für ihre Beratungen, die sie brauchen«, sagte der Richter.

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Angeklagter Derek Chauvin im Gerichtssaal in Minneapolis

Foto: Uncredited / dpa

Derek Chauvin könnte nach dem in Minnesota geltenden Recht und laut Anklage in drei Punkten schuldig gesprochen werden: Mord zweiten Grades, Mord dritten Grades und Totschlag zweiten Grades. Über jeden Punkt müssen die Juroren getrennt entscheiden. Insgesamt drohen ihm bis zu 75 Jahre Haft. Das genaue Strafmaß wird später vom Richter festgelegt. Kommt die Jury zu keinem gemeinsamen Spruch, muss der Prozess womöglich erneut aufgerollt werden.

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