Erstmals in der ihrer Geschichte stellen die Grünen eine Kanzlerkandidatin. Am Montag hat die Partei bekannt gegeben, dass Annalena Baerbock die Partei in den Wahlkampf und möglichst auch ins Kanzleramt führen soll. Die frühere Parteivorsitzende und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hält das für einen historischen Moment.

Im SPIEGEL-Spitzengespräch mit Moderator Markus Feldenkirchen sagte Roth, sie glaube, dass Baerbock eine »sehr gute Bundeskanzlerin wäre«. Über die Entscheidung für die 40-Jährige habe sie sich »sehr, sehr, sehr gefreut«. Baerbock sei eine fleißige und kompetente Politikerin, die in der Vergangenheit häufig unterschätzt worden sei.

Roth sagte, es habe sie in den vergangenen Monaten genervt, dass im Zusammenhang mit einer möglichen Kanzlerkandidatur Baerbocks immer wieder die Frage aufgetaucht sei, ob die grüne Co-Parteichefin das wirklich wolle und könne. Bei Robert Habeck, dem anderen möglichen grünen Kanzlerkandidaten, habe niemand eine solche Frage gestellt, so Roth.

Auch eine Entscheidung gegen Baerbock und für Habeck hätte Roth zufolge »das Frauenstatut der Partei nicht verletzt.« Sie ergänzte jedoch: »Das hätte uns begründungspflichtiger gemacht.«

Wie diszipliniert und einvernehmlich die Grünen die K-Frage lösten, zeigte sich insbesondere im Kontrast zur Union. Dort lieferten sich CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder einen tagelangen Wettbewerb um die Kanzlerkandidatur.

Roth äußerte deutliche Kritik an dem Machtkampf. Die Auseinandersetzung sei »skurril und bizarr«. Es sei heftig gewesen, zu beobachten, wie Söder Zusagen innerhalb kürzester Zeit wieder gebrochen habe. Eine »Tendenz zur Skrupellosigkeit« bei dem bayerischen Ministerpräsidenten sei bekannt. Erst am Dienstagmittag teilte Söder mit, dass er zugunsten Laschets aufgibt – damit ist der Weg frei für den NRW-Ministerpräsidenten als Kanzlerkandidat (einen Kommentar dazu lesen Sie hier).

Roth kritisierte zudem, dass es Laschet…