Was Armin Laschet von diesem Tag, dieser Sitzung erwartet, macht er ziemlich am Anfang klar. Dies, sagt der CDU-Chef am Montagabend, sei der Tag, um zu entscheiden. Die Schalte seines Bundesvorstands läuft da gerade mal etwa 30 Minuten. Laschet, so viel ist klar, will diese digitale Sitzung als Kanzlerkandidat beenden, zumindest mit einem klaren Votum seines Spitzengremiums.

Eine Machtdemonstration soll es werden, ein Gewaltakt, der das Chaos, das seit Wochen in der Union herrscht, endlich auflösen soll. Doch es dauert siebeneinhalb Stunden, bis es ein Ergebnis gibt. 31 Vorstandsmitglieder votieren für Laschet, 9 für seinen Kontrahenten – Markus Söder.

Es ist eine Mehrheit, ja. Aber die Söder-Stimmen wiegen schwer für Laschet. Dabei sind sie nur der Schlusspunkt einer denkwürdigen Sitzung. Was am frühen Abend beginnt und sich bis in die Nacht hinziehen wird, ist nicht nur das neueste Kapitel im unionsinternen Ringen um die Kanzlerkandidatur. Es ist ein politischer Krimi, wie man ihn selten erlebt hat.

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CDU-Chef Armin Laschet

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Die Ausgangslage: Sowohl Laschet als auch CSU-Chef Markus Söder hielten vor der Sitzung an ihren Ambitionen fest, beide wollten Kanzlerkandidat werden, Gespräche am Wochenende hatten kein Ergebnis gebracht. Söder legte das weitere Geschehen dann am Montagnachmittag in die Hände der CDU: Diese entscheide »souverän«, sagte Söder bei einer Pressekonferenz. »Wir als CSU und auch ich respektieren jede Entscheidung.«

Das konnte man als Anfang vom Rückzug deuten – oder es umgekehrt sehen: als letzte Offensive, als Sprengsatz, den Söder damit in der CDU-Spitze platziert hatte. Wer mich will, so ließ sich sein Auftritt auch verstehen, der soll sich jetzt für mich erklären. Oder für immer schweigen.

Laschets letzte Chance

Laschets Lage war in den Tagen zuvor immer vertrackter geworden. Immer zahlreicher, immer lauter hatte sich jener Teil der CDU zu Wort gemeldet,…