In den Schlussplädoyers im Prozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd hat die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung des ehemaligen US-Polizisten Derek Chauvin gefordert. Der 45-Jährige sei in allen Anklagepunkten schuldig, erklärte Staatsanwalt Steve Schleicher vor Gericht in Minneapolis.

Chauvin habe Floyd getötet, indem er ihm neun Minuten und 29 Sekunden lang das Knie in den Nacken gedrückt habe. Und das – so Schleicher – obwohl Floyd nur wegen des Verdachts festgenommen worden sei, mit einem falschen 20-Dollar-Schein gezahlt zu haben. „Das war keine Polizeiarbeit. Das war Mord“, betonte der Staatsanwalt. Chauvin habe „das Polizeiabzeichen verraten und alles, wofür es stand“.

Staatsanwalt Steve Schleicher

Schleicher schilderte eindrücklich die letzten Minuten in Floyds Leben Ende Mai 2020. Der 46-Jährige habe „gebettelt, bis er nicht mehr sprechen konnte. Er hat mit seinem allerletzten Atemzug um Hilfe gebeten, aber der Polizist hat nicht geholfen.“ Zu diesem Zeitpunkt sei lediglich „ein wenig Mitgefühl“ nötig gewesen – „und an diesem Tag wurde keines gezeigt“.

Der Staatsanwalt unterstrich, nicht der Polizei als Ganzes werde der Prozess gemacht, sondern dem Angeklagten Chauvin. Die Geschworenen müssten sich von dem Gedanken freimachen, dass Polizisten keine Verbrechen begehen könnten, auch wenn das schwierig sei, sagte Schleicher.

„Dynamischer“ Polizeieinsatz

Chauvins Verteidiger Eric Nelson meinte hingegen, die Anklage habe die Schuld seines Mandanten nicht zweifelsfrei bewiesen. Falls nur ein einziger begründeter Zweifel bestehe, müsse das Urteil auf nicht schuldig lauten, sagte er an die Geschworenen gerichtet. Auch dessen Herzprobleme und Drogenkonsum könnten bei Floyds Tod eine Rolle gespielt haben. In seinem Blut waren das Opioid Fentanyl und die Aufputschdroge Methamphetamin nachgewiesen worden. 

Angeklagter Derek Chauvin (r.) mit seinem Verteidiger

Ohnehin könne kein Verbrechen vorliegen, weil es sich bei Chauvins Handeln…