Der Kremlkritiker Alexej Nawalny, der sich in einem Straflager in einem Hungerstreik befindet, ist in ein Krankenhaus für Gefangene verlegt worden. Er sei in eine Einrichtung auf dem Gelände eines anderen Straflagers gekommen, teilte der Strafvollzug in Moskau mit. Der Gesundheitszustand des russischen Oppositionellen wurde demnach als „zufriedenstellend“ bezeichnet. Er werde täglich von einem Arzt untersucht. Nawalnys Team sagte dagegen, der 44-Jährige sei lediglich in ein anderes Straflager gebracht worden – und nicht in eine Klinik.

Nach Angaben seiner Anhänger ist der Zustand des Gefangenen kritisch. Sie fürchten um das Leben des Oppositionellen, der sich nach ihren Angaben seit Ende März im Hungerstreik befindet.

„Zwanzig Tage im Hungerstreik – das ist eine Menge“

„Wir wissen nicht, was mit ihm über das Wochenende passiert ist, weil die Anwälte ihn nicht besuchen dürfen“, sagte die Nawalny-Mitstreiterin Ljubow Sobol einem Moskauer Radiosender. „Ich denke, es besteht keine Hoffnung, dass wir heute gute Nachrichten über seine Gesundheit erhalten. Ich denke, sein Zustand ist wirklich sehr kritisch, fast sehr ernst. Zwanzig Tage im Hungerstreik – das ist eine Menge.“ Nawalny wurde nach eigenen Angaben von den Behörden mit Zwangsernährung gedroht.

Bundesaußenminister Heiko Maas begrüßte die Verlegung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny in ein Krankenhaus. Es sei eine „gute Nachricht (…), dass Herr Nawalny nun endlich dringend benötigte medizinische Versorgung zu erhalten scheint“, sagte Maas nach Beratungen mit seinen EU-Kollegen. „Unsere Sorge um die körperliche Verfassung von Herrn Nawalny wird dadurch aber nicht geringer.“ Denn diese sei Folge einer Haft, „in der er überhaupt nicht sein dürfte“.

Der Außenbeauftragte der Europäischen Union, Josep Borrell, machte die russischen Behörden für Nawalnys gesundheitliche Lage verantwortlich. Die Situation sei sehr besorgniserregend, Russland müsse für eine Behandlung sorgen, forderte Borrell anlässlich…