Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für globale Probleme.

Alle Artikel

Dafür, dass es die schwierigste Frage von allen ist, gibt es auf der Welt wenig Anerkennung für Menschen, die eine Antwort darauf gefunden haben: Wer bin ich?

Bevor Tashnuva Shishir herausfand, wer sie ist, und bevor sie zu Bangladeschs erster Transgender-Nachrichtensprecherin wurde, bestand ihr Leben, wie sie sagt, ausschließlich aus unermesslichem Schmerz. Aus dem Kampf, irgendwo dazuzugehören. Nun ist ihre Geschichte eine, die Vielen Hoffnung macht.

Bild vergrößern

»Ich zitterte, ich weinte, als die Kamera ausging. Ich spürte: Etwas ist passiert in diesen drei Minuten«, sagt Shishir über ihren ersten Auftritt on air

Foto: 

Fabeha Monir / The New York Times / Redux / laif

Shishir, 29 Jahre, aus einer konservativ-muslimischen Familie aus dem Süden von Bangladesch, wurde in der Schule geschubst, geschlagen, als schwach und krank beschimpft, von einem Onkel vergewaltigt. Der Vater hörte auf, mit ihr zu sprechen. Irgendwann tippte Shishir in die Suchmaske bei Google:

»Bin ich allein auf dieser Welt?«

»Gibt es noch mehr Menschen wie mich?«

Sie fand heraus, dass es noch mehr Menschen wie sie gibt, und lernte ein Wort dafür, transgeschlechtlich. »Ich war gefangen in einem männlichen Körper mit einem männlichen Namen«, sagt sie. »Aber ich bin trans, und ich bin eine Frau.«

»Transgender becomes Anchor, creates history«

Wurde als Banner während Shishirs erster TV-Sendung eingeblendet: »Transgender wird Nachrichtensprecherin, schreibt Geschichte«

Als die Familie Shishir endgültig verstieß, sei sie dann mit 15 allein in die bangladeschische Hauptstadt Dhaka gekommen, in einen Slum, ohne Essen und ohne Wohnung, erzählt sie. Ärzte, an die sie sich wandte, stellten die Diagnose…