Bislang ist es für die Grünen ziemlich ideal gelaufen. Erst stiegen ihre Umfragewerte im Frühjahr wieder so, dass sie nicht mehr die halbe Kraft der Union hatten, sondern wie eine echte Herausforderung für CDU und CSU aussahen. Dann fragten Medien verlässlich nach ihrer Kanzlerkandidatur, bis alle sich an den Gedanken gewöhnt hatten. Und dann hielten sie eisern dicht, wer es denn machen würde.

Das große Warten endet nach Plan der Grünen am Montagvormittag. Dann wollen die beiden Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck zusammen mit Bundesgeschäftsführer Michael Kellner verkünden, wie sich die beiden Vorsitzenden geeinigt haben – wenn nicht doch noch vorher Informationen nach draußen dringen.

Es ist kein Geheimnis, dass beide wollen. Oder genauer: wollten. Denn es ist auch kein Geheimnis, dass eine Entscheidung schon länger gefallen ist.

Sie so lange unter Verschluss zu halten, ist das Gesellenstück der professionalisierten Ex-Bürgerschreck-Partei. Das Meisterstück wäre es, nach der Entscheidung, die im bisher gleichberechtigten Duo eine Hackordnung schafft, harmonisch weiterzuarbeiten und einen erfolgreichen Wahlkampf zu bestreiten.

In Partei und Öffentlichkeit hat sich längst ein Konsens eingestellt. Man glaubt zu wissen, oder wenigstens zu ahnen, dass Annalena Baerbock die Partei in den Wahlkampf führen wird.

Von der Außenseiterin zur Favoritin

Vor drei Jahren, als beide gemeinsam an die Parteispitze gewählt wurden, wäre das noch ein ziemlich abseitiger Gedanke gewesen, nicht nur wegen der Umfragewerte damals. Habeck kam als gefeierter Minister in Schleswig-Holstein. Die Partei änderte extra für ihn ihre Satzung, um ihm eine Übergangszeit zu geben, in der er beides haben durfte, Amt und Mandat. Eigentlich darf ein Minister kein Parteichef sein.

Baerbock dagegen bewarb sich auf den Frauenplatz, nachdem sich keine Bewerberin vom linken Flügel gefunden hatte. Sie war Landesvorsitzende gewesen, Bundestagsabgeordnete, gelobtes Mitglied des…