Einst wurden auf dem »Großen Marktareal« (»Nagyvásártelep«) in Ungarns Hauptstadt Budapest Schlacht- und Zuchttiere gehandelt, Getreide, Gemüse. Heute liegt das Gelände brach. Die Regierung unter Viktor Orbán will »Nagyvásártelep« jetzt neu erschließen. Dazu hat sie sich einen ungewöhnlichen Partner gesucht: Die Fudan-Universität aus Shanghai soll bis 2024 an der Donau einen Campus errichten.

Dass eine Hochschule aus dem kommunistischen China im postkommunistischen Ungarn eine Art Zweigstelle errichten darf, ist umstritten: Der Budapester Bürgermeister protestiert, weil er dort Studentenwohnungen bauen lassen wollte. Die Opposition befürchtet Spionage und politische Einflussnahme, Investigativjournalisten haben aufgedeckt, dass die Finanzierung des Projektes durch China bereits diskret abgesprochen wurde.

Budapests Bürgermeister warnt vor Pekings Einfluss

Und die EU ist irritiert: Die Orbán-Regierung hatte gerade erst die von George Soros finanzierte Central European University aus dem Land gedrängt. Sie verbreitet die Verschwörungstheorie, der Milliardär wolle Europa mit Flüchtlingen fluten. Und nun lässt sie sich von China eine Hochschule bauen.

Der Bürgermeister von Budapest, Gergely Karácsony, ist ein erbitterter Gegner Orbáns und fühlt sich betrogen: »Es könnte sich herausstellen, dass das Wort des Premiers nichts wert ist.« In seiner Lesart habe es eine Verabredung zwischen seiner Stadt und der Regierung gegeben, auf dem »Nagyvásártelep« Studentenunterkünfte zu bauen. Entwürfe des Architekturbüros »Snøhetta« zeigen Glasfronten an der Haupthalle, viel Grün und eine Freitreppe zum Wasser.

Karácsony hat Widerstand angekündigt für den Fall, dass die Fudan-Universität nach Ungarn expandiert. Er ist gegen eine »Eliteuniversität, die den Prinzipien und dem Einfluss der Chinesischen Kommunistischen Partei« diene.

Der Budapester Fudan-Campus soll für 5000 Studentinnen und Studenten gebaut werden. Es wäre die erste Zweigstelle der…