Einer der führenden deutschen Kardiologen hat die sofortige Verlegung des inhaftierten russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny auf eine Intensivstation gefordert. Ein Kaliumwert in der Höhe, wie Nawalny ihn gerade habe, »begünstigt schwerwiegende Herzrhythmusstörungen und ist damit ein akut lebensbedrohlicher Zustand«, sagte Stephan Baldus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und Chefarzt für Kardiologie an der Uniklinik Köln dem SPIEGEL. »Bei einem solchen Kaliumwert ist eine unmittelbare intensivmedizinische Behandlung angezeigt.«

Mit Baldus bekräftigt damit erstmals ein deutscher Top-Mediziner die Einschätzung von Nawalnys russischem Ärzteteam, das gestern von einem extrem schlechten Gesundheitszustand Nawalnys berichtete. Dem im Straflager inhaftierten Kremlkritiker Nawalny droht nach dessen Einschätzung ein Herzstillstand.

Nawalnys persönliche Ärztin Anastasia Wasiljewa und drei ihrer Kollegen, darunter ein Herzspezialist, forderten von den Gefängnisbehörden am Samstag Zugang zu dem Inhaftierten. Das Team von Wassiljewa twitterte, es habe die Ergebnisse der Blutuntersuchung des Oppositionellen erhalten. Wegen der kritischen Kaliumwerte drohten dem Widersacher von Präsident Wladimir Putin »jede Minute« eine eingeschränkte Nierenfunktion sowie ernsthafte Herzrhythmusprobleme.

Nawalnys Tochter fordert medizinische Hilfe

Die Tochter des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny fordert wegen des kritischen Zustands ihres Vaters medizinische Hilfe. »Meinem Vater muss ein Doktor erlaubt werden«, schrieb Dascha Nawalny auf Twitter.

Der Kardiologe Jaroslaw Aschichmin hatte auf Facebook gewarnt: »Unser Patient kann jede Minute sterben.« Er müsse auf eine Intensivstation verlegt werden. Die Nawalny-Vertraute Kira Jarmysch schrieb bei Facebook: »Alexej stirbt.« Bei seiner Verfassung sei es »eine Frage von Tagen«. An den Wochenenden könnten seine Anwälte keinen Kontakt aufnehmen. »Niemand weiß, was am Montag passiert«,…