Die Naturschutzorganisation WWF hat in dieser Woche eine Studie vorgestellt, in der die größten Regenwaldzerstörer aufgelistet sind. Mit 16 Prozent liegt die EU demnach hinter China (24 Prozent) weltweit auf Platz zwei. Danach folgen Indien (9 Prozent), die USA (7 Prozent) und Japan (5 Prozent). 30 bis 40 Prozent der Entwaldung in den Tropen ist mit dem internationalen Handel verknüpft. Den größten Schaden richtet der Import von Soja etwa aus dem Amazonasgebiet an, das hier zumeist an Tiere verfüttert wird – während Bauern dort den Dschungel niederbrennen, um Ackerflächen zu gewinnen. Fast ebenso schlimm ist Palmöl, das beispielsweise in Kosmetika oder Lebensmitteln verwendet wird.

Die Umweltschützer werteten Daten aus Satellitenbildanalysen und Untersuchungen von Handelsströmen aus, die vom Stockholmer Umweltinstitut und der Transparenzinitiative Trase zusammengestellt wurden. Die Rodungen machen sich demnach nicht nur in Ökosystemen weit weg von Europa bemerkbar, sondern betreffen auch das Weltklima.

Durch die importierte Entwaldung habe die EU 2017 indirekt 116 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursacht, berichtet der WWF. Das entspreche mehr als einem Viertel der EU-Emissionen aus der Landwirtschaft im selben Jahr. Solche indirekten Emissionen würden in den Statistiken zu Treibhausgasemissionen bislang nicht erfasst.

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Palmölplantage, Regenwald auf Borneo

Foto: Nora Carol Photography / Getty Images

Unter den EU-Ländern trägt Deutschland die größte Verantwortung. Ausgerechnet. Wie konnte uns passionierten Mülltrennern und Biofleisch-Essern das passieren?

Es ist das gute Leben, das hier zu Buche schlägt. Wer will schon auf Schokolade und Kaffee verzichten? Auf saftige Steaks von Rindern, die mit importiertem Soja gefüttert wurden? Auf Kosmetika mit Palmöl in der Rezeptur? Selbst Tropenholzparkett gibt es immer noch zu kaufen. Muss das so sein?

Immer wieder Verzicht zu predigen, ist wohlfeil. So kommen wir nicht…