Shitstorms im Netz sind kein neues Phänomen, doch so polarisiert und aufgeheizt wie in der Coronakrise war die öffentliche Debatte selten. »Es ist zum ersten Mal, dass ich das Gefühl habe, hier sind wirklich gewaltbereite Menschen dabei, die mich und meine Familie in einer Art und Weise bedrohen, wie ich das noch nie erlebt habe«, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Dienstag bei einer SPIEGEL-Veranstaltung in Berlin.

Wie wollen wir miteinander reden in der Coronakrise? Diese Frage diskutierte Melanie Amann, die Leiterin des SPIEGEL-Hauptstadtbüros mit Lauterbach. Auch mehrere Hundert SPIEGEL-Abonnentinnen und Abonnenten waren virtuell zugeschaltet und konnten über ein Forum Fragen stellen. Der Abend bildete den Auftakt zu der Veranstaltungsreihe »Republik 21 im Gespräch mit…«, in der der SPIEGEL sich vor der Bundestagswahl den großen politischen Fragen unserer Zeit widmet – gemeinsam mit seinen Leserinnen und Lesern.

»Wie begegne ich Coronaleugnern?«, wollte eine Zuschauerin von Lauterbach beispielsweise wissen. Seine Antwort war nüchtern. »Wer jetzt nach diesen dramatischen Monaten, die wir gehabt haben, noch immer glaubt, dass das Virus harmlos ist oder so harmlos wie eine Grippe, oder vielleicht noch harmloser, dem ist schlicht ab einem bestimmten Punkt aus meiner Sicht nicht mehr zu helfen«. Aber was, wenn es um Nachbarn oder Verwandte geht? »Da muss man um jeden Einzelnen kämpfen und überzeugen«, sagte Lauterbach. In der breiten Masse sei bei den echten Leugnern des Virus aber, zumindest für ihn persönlich, »nicht viel zu holen.«

Mit Bürgern, die schlicht verzweifelt seien, oder auch Wissenschaftlern, die andere Meinungen vertreten als er, ist Lauterbach dagegen im ständigen Dialog. Auch Medien müssten die Vielfalt der Einschätzungen unbedingt darstellen, sagt er: »Die andere Meinung muss man auch hören.« Aber es müsse eingeordnet werden, die Mehrheitsmeinung müsse auch mit mehr Stimmen vertreten sein.

Auch über die…