Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für globale Probleme.

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Laufen löst alle Sorgen, das hat Youbaraj Dahal von einem japanischen Paar in Dubai gelernt. Seitdem er zurück in Nepal ist, läuft er so viel wie nie. Vier- bis fünfmal die Woche streift er sich morgens um fünf Uhr die Schuhe über, die 15 Kilometer schafft er in knapp 70 Minuten. Sobald er lostrabt, lässt er die Gedanken frei drehen: Wo kommt als nächstes Geld her? Was, wenn wir den Kredit nicht bewilligt bekommen? Wie soll ich die Schule meines Sohnes bezahlen? Nicht immer findet er unterwegs Antworten, aber am Ende fühlt er sich wenigstens leichter.

Dahal, 43 Jahre alt, schwarze Käppi, blaues Adidas-Shirt, ist nachdenklicher geworden. 17 Jahre lebte er in Dubai, reinigte erst Hotelzimmer, checkte dann Gäste in ihre Zimmer ein. Es waren gute Jobs: Dahal traf Menschen aus aller Welt, als Eventmanager reiste er später selbst umher. Vor allem aber verdiente er genug, um seiner Familie im Osten Nepals Geld und seinen Sohn auf gute Schulen zu schicken.

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Dahal mit seiner Schwägerin: »Alle sind losgezogen, um reich zu werden«

Foto: Sagar Chhetri / DER SPIEGEL

Dieses Leben endete für ihn vor gut einem Jahr. Kurz nachdem die Pandemie die Welt lahmlegte, verlor Dahal seinen Job. Jetzt knetet er seine Hände vor einer kahlen, weißen Wand im Wohnzimmer seiner Mutter in Dharan,einer Kleinstadt neun Autostunden von Kathmandu entfernt, während er in die Handykamera spricht. Seine Antworten klingen bedacht, als müsste er sich selbst mit ihnen konfrontieren. Er sagt: »Um ehrlich zu sein: Ich bin pleite.«

Die Pandemie hat nicht nur Millionen von Menschen ihre Jobs gekostet. Sie hat auch eine Grundfaser der Globalisierung angerissen: den grenzüberschreitenden Handel mit…