von Uli Rauss

16.04.2021, 13:21 Uhr

Die US-Truppen und ihre Nato-Verbündeten ziehen nach 20 Jahren ihre Soldaten aus Afghanistan ab. Die Taliban führen sich auf wie Sieger. Viele Afghanen fühlen sich im Stich gelassen, Frauen fürchten um hart erkämpfte Rechte.

Die Lage interpretieren die Taliban im für sie üblichen Sprachduktus. „Der vom Ausland gesponserte künstliche Staatsaufbau und die westliche Demokratie, die mit Hilfe von B-52-Bombern importiert wurde, ist in Afghanistan kläglich gescheitert“, verkündeten sie vor zwei Tagen auf ihrer Propaganda-Website ‚Stimme des Dschihad‘. Seit die „Invasoren und ihre Marionetten“ 2001 die „islamische und nationale Regierung der Taliban“ stürzten, hätten sie „die Unmoral“ gefördert, „Rauschgift“ produziert und dem Volk „professionelle Söldner, Sklaven, Diebe“ aufgezwungen. Der einzige Weg zu Frieden und Stabilität sei „die Implementierung eines islamischen Systems“.

Ebenfalls vor zwei Tagen verkündete US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus Historisches. Er erklärte den vollständigen Truppenabzug nach 20 Jahren Präsenz in Afghanistan. Amerikas Bündnispartner am Hindukusch, darunter Deutschland als zweitgrößter Truppensteller, zogen schnell nach. Der Abzug der verbliebenen 10.000 Nato-Soldaten soll am 1. Mai starten und zum Symboldatum 11. September abgeschlossen sein. Zusätzlich werden auch rund 13.500 internationale private Sicherheitskräfte und 1.000 Undercover-Akteure das Land verlassen. Laut Tagesbefehl des Bundesverteidigungsministeriums sollen alle deutschen Kräfte bereits Mitte August aus dem Land sein. Es ist das Ende einer Ära.

Und nun das

Joe Biden erfüllt damit die Hauptforderung der Taliban zum vollständigen Abzug aller internationalen Truppen. Bedingungslos, wenn auch knapp fünf Monate später als sein Vorgänger Donald Trump den Taliban mit einem Abkommen im vergangenen Februar in Doha…