Der Brexit führt offenbar zu einer unerwartet hohen Abwanderung von Unternehmen aus der Finanzmetropole London. Mehr als 400 Finanzfirmen haben seit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) ihre Geschäfte aus der britischen Hauptstadt nach Kontinentaleuropa verlegt, zeigt eine Studie der Denkfabrik New Financial. Das sei deutlich mehr als erwartet.

»Wir gehen davon aus, dass die eigentliche Zahl weitaus höher liegt und dass künftig noch mehr Firmen ihre Aktivitäten verlagern«, hieß es in der Studie. »Wir stehen erst am Ende des Beginns des Brexit.« Der direkte Zugang zum EU-Binnenmarkt ist britischen Finanzdienstleistern seitdem verwehrt, er war nicht Bestandteil des kurz vor Ende der Frist geschlossenen Abkommens zwischen der EU und Großbritannien.

Am meisten profitiert der Untersuchung zufolge die irische Hauptstadt Dublin von den Verlagerungen. 135 Unternehmen hätten ihre Zentralen dorthin verlagert, danach folgten Paris mit 102, Luxemburg mit 95, Frankfurt mit 63 und Amsterdam mit 47 Verlagerungen. Banken, Versicherungen und Fonds-Dienstleister schoben demnach bislang Vermögenswerte in Höhe von insgesamt rund einer Billiarde Pfund in die Länder Kontinentaleuropas.

Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt werde der Studie zufolge auf längere Sicht in Bezug auf die Umschichtung von Vermögen aus London am meisten gewinnen. »Paris wird dagegen der größte Nutznießer in Bezug auf Arbeitsplätze sein«, schreiben die Autoren der Studie.