von Marc Goergen

16.04.2021, 11:43 Uhr

2011 wurden die Menschen am Horn von Afrika von einer dramatischen Hungersnot heimgesucht. Grund dafür war allerdings nicht nur die Dürre – sondern auch die Politik des Westens. Eine Recherche vor Ort.

Diese Geschichte erschien zum ersten Mal in stern 34/2011 im August 2011. Seitdem hat sich die politische Lage etwa in Äthiopien verändert, die Regierung liegt nicht mehr in Händen von Meles Zenawi – das Prinzip, das Hilfe zu politischen Zwecken missbraucht werden kann, ist allerdings in der Region nach wie vor aktuell.

Die Geschichte der Hungersnot in Ostafrika scheint genauso tragisch wie einfach, etwa so wie das Schicksal der kleinen Farhiyo Yussuf. Sie liegt auf dem Bett in der Notstation eines Krankenhauses des Flüchtlingslagers von Dadaab in Kenia. Ihr eingefallenes Gesicht wirkt greisenalt, die Arme sind dürre Äste, immer wieder verdrehen sich ihre Augen nach oben, bis nur noch das Weiße darin zu erkennen ist. Laut ihrer Krankenakte ist Farhiyo drei Jahre alt.

Gerade einmal 4,6 Kilo hat dieses winzige Bündel Mensch gewogen, als es vor drei Tagen aufgenommen wurde, und daran hat sich seitdem nicht viel geändert.

Durch die Nase soll ihr eine Nährlösung in den Magen geleitet werden, doch immer wieder erbricht sie die Flüssigkeit.

Jeden Morgen kommen 1000 neue Flüchtlinge an

Die Ärzte wissen nicht, ob Farhiyo es schaffen wird. Oder Ahmed auf dem Bett nebenan, dessen Haut sich aufgrund der Mangelernährung schält wie bei einem Sonnenbrand. Oder einer der anderen entkräfteten Winzlinge hier in der Station. Die Kindersäle der Krankenhäuser sind die Schreckenszentren auch dieser Hungersnot.

Draußen, rund um die Hütten der mittlerweile 400.000 Flüchtlinge, wirkt das Leben von Dadaab manchmal gar nicht so sehr anders als in vielen…