Liebe Leserinnen, liebe Leser,

erinnern Sie sich noch, wie das war, vor einem Jahr? In einer beispiellosen Konsequenz beschlossen die Länderchefs angesichts der Corona-Bedrohung einschneidende Maßnahmen. Die Schulen wurden geschlossen, Geschäfte, viele Betriebe, das öffentliche Leben heruntergefahren, Straßen und Bürgersteige waren wie leer gefegt. Es fühlte sich an wie ein Ausnahmezustand und es war auch einer. Abends traten die Menschen auf die Balkone oder an offene Fenster und klatschten für die Menschen, die in diesem Kampf an der vordersten Front standen: Krankenschwestern, Ärzte, Pflegepersonal.

Es waren wenige Wochen, aber sie waren einschneidend, in schlechter wie in guter Hinsicht: Die Infektionszahlen sanken genauso steil, wie sie zuvor gestiegen waren. Als Belohnung gab es einen Sommer, in dem man Corona in guten Momenten fast vergessen konnte.

Und heute? Haben wir Infektionszahlen, die viermal so hoch sind wie die Spitzenwerte aus dem Frühjahr 2020 – und weiter steigen. Zudem ist die Lage insgesamt bedrohlicher: Damals gab es keine Mutanten, die sich schneller verbreiten und gefährlicher sind. Vor diesem Hintergrund und den Erfahrungen aus dem letzten Jahr wirkt die Debatte über die sogenannte „Bundesnotbremse“ ziemlich absurd.

Nichts von dem, was dort verhandelt wird, kommt in der Konsequenz an die Maßnahmen vom letzten Jahr heran. Und wer weiß, wie das Regelwerk aussieht, wenn es alle erforderlichen Instanzen passiert hat.

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, hat das offensichtlich verstanden. Ihr Bundesland war lange Zeit Corona-Musterschüler, Rostock Vorzeigestadt. Doch in der dritten Welle schießen auch in Mecklenburg-Vorpommern landesweit alle Kennzahlen nach oben, schon heute berät das Parlament über einen harten Lockdown, der ab Montag gelten soll.

»Das Bundesgesetz kommt viel zu spät und ist aus meiner Sicht auch nicht ausreichend«, sagte Schwesig im Morgenmagazin der ARD. Am Donnerstagabend hatte sie…