von Marc Goergen

16.04.2021, 14:15 Uhr

Armut und Kriege – das ist noch immer das Bild vieler von Afrika. Doch der Kontinent hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark gewandelt. Zum Markt der Zukunft.

Diese Geschichte wurde zum ersten Mal in stern 24/2012 im Juni 2012 veröffentlicht. Die darin beschriebenen positiven Tendenzen haben sich in vielen Teilen des Kontinents noch weiter verstärkt, einige wenige Regionen, etwa die durch islamistische Terrorgruppen bedrängten Länder Mali oder NIger, wurden zurückgeworfen.

Diese Geschichte spielt in Afrika. Sie streift das Thema Krieg nur am Rande und handelt nicht von Aids oder Malaria. Sie beschreibt keine hilflosen Opfer und sich aufopfernden Helfer, keine Savanne im Gegenlicht, weder Giraffen noch Elefanten, und sie endet auch nicht mit einem bewegenden Zitat von Nelson Mandela.

Diese Geschichte handelt vom Aufbruch eines Kontinents. Und von Typen wie Jeff Gasana. Der 31-Jährige sitzt in seinem Büro in Ruandas Hauptstadt Kigali. Autolärm dringt von der Straße herein und der Baustellenkrach des Kongresszentrums, das Chinesen gerade errichten. Auch drinnen Chaos. In den Vorzimmern telefonieren Gasanas Angestellte, immer wieder fragt jemand Gasana nach Preisen, nach Strommengen, immer wieder klingelt eines seiner Handys. Dann endlich kann er erzählen, wie er es schafft, mitten in Afrika per SMS Strom zu verkaufen und damit Geld zu verdienen. Gasana sagt erst mal: „Natürlich in Afrika.“ Er könnte hinzufügen: Wo auch sonst? Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften des vergangenen Jahrzehnts liegen in Afrika. Schwarzafrika ist die einzige Region der Welt, deren Wachstum sich 2012 noch einmal beschleunigen wird. Und es sind nicht nur Öl-gedopte Länder wie Angola, deren Kurven steil nach oben zeigen, sondern auch eher rohstoffarme Staaten. Wie Mauritius. Wie Mosambik. Oder eben das Ruanda von Jeff Gasana.