Es war ein vielsagender Moment der Stille. Wie die Parteivorsitzenden mit dem ständigen Störfeuer von Sahra Wagenknecht umgehen wollen, wollte eine Journalistin von Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler bei der Pressekonferenz der Linken-Spitze am Montag wissen. Die beiden Frauen schauten sich fragend an, sagten schließlich, das habe man ja schon beantwortet. Tatsächlich hatten sie diese Frage vorher nicht beantwortet.

Wissler und Hennig-Wellsow war die Ratlosigkeit in diesem Moment ins Gesicht geschrieben. Wie nur sollen sie Sahra Wagenknecht umgehen? Und wie soll das weitergehen bis zur Bundestagswahl?

Wahlprogramm strotzt vor Regierungswillen

Dabei hätte der Montag ein guter Tag für die Partei werden können. Am Wochenende hatte SPD-Chefin Saskia Esken nach den vielen Ampelspekulationen der vergangenen Wochen die Linken-Hoffnungen auf eine mögliche Regierungsbeteiligung genährt, in dem sie sich dazu bekannte, am liebsten mit Linken und Grünen regieren zu wollen.

Nun legten Wissler und Hennig-Wellsow ihren Entwurf für ein Wahlprogramm vor, das vor Regierungswillen strotzt: »Kompromissbereit« will man sein, wird da betont. Nicht mehr wie einst nur das Blaue vom Himmel versprechen, sondern eine ernsthafte Strategie verfolgen, wie man auch einen Teil davon in einer Regierung umsetzen kann, so die Botschaft der Präambel. Vor allem Parteichefin Hennig-Wellsow drängt darauf, ihre Partei für die Regierung fit zu machen.

Doch was nützt die demonstrative Bündnisbereitschaft, wenn sich die Partei zeitgleich alle Mühe gibt, ihre Regierungsfähigkeit einmal mehr selbst infrage zu stellen. Denn statt in die Zukunft zu schauen, verzetteln sich einmal mehr im Flügelstreit um Sahra Wagenknecht. Am Mittwoch soll das neue Buch der Ex-Fraktionschefin erscheinen; was vorher darüber bekannt wurde, provoziert schon jetzt heftige Reaktionen.

Der Inhalt des Wagenknecht-Buches in Kurzform: Die Linke vernachlässigt die Arbeiterschaft, Klima- und Identitätsfragen…