1. Wo ist Söders Platz?

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Wenn Körpersprache sprechen könnte: CSU-Chef Söder, CSU-Landesgruppenchef Dobrindt, CDU-Fraktionschef Brinkhaus, CDU-Chef Laschet (v.l.n.r.)

Foto: Michael Wittig / picture alliance/dpa/CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Falls Sie sich gefragt haben sollten, ob die Bekämpfung der Coronakrise für die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten sowie das Kanzleramt noch die Priorität hat, liegt die Antwort vielleicht hier: Erst mal muss ein CDU-Kanzlerkandidat bestimmt werden. Mögen die Fallzahlen steigen, die Intensivstationen voller werden, das Pflegepersonal nach einem Jahr Pandemie ausgezehrt und die Bevölkerung vom Lockdown mürbe sein; das Ringen um die Kandidatur für den Topjob in Berlin bindet gerade viele Kräfte. Wer auch nur am Rande mal mitbekommen hat, wie Führungsposten besetzt werden, wie Sitzungen mit Beratern abgehalten werden, wie viele Intrigen gesponnen und gekontert werden müssen, wie viele Stunden Telefonate draufgehen, um Unterstützer zu mobilisieren, der ahnt, dass während dieser Zeit das politische Tagesgeschäft ruht.

Mantraartig hatte CSU-Chef Markus Söder gesagt, sein Platz sei in Bayern. Jetzt wollen er und CDU-Chef Armin Laschet beide auch ganz offiziell Kanzlerkandidat der Union werden. Am Sonntag traten sie in Berlin vor die Presse, und ihre Rhetorik war etwas für Feinschmecker. Immer wieder betonten sie, dass beide Kanzler werden wollen, sei »ein Zeichen der Gemeinsamkeit«, dass zwei Kandidaten zur Verfügung stünden, sei »der Einigkeit« geschuldet, so viel Kompetenz »ein Signal der Stärke«. Ein Übersetzungsversuch: Wir konnten uns nicht verständigen, und nachgeben wollte auch keiner. Womöglich unterschätzen beide das Urteilsvermögen der Wählerinnen und Wähler.

Söder bekräftigte immer wieder, er trete an, wenn ihn die CDU breit unterstützt und wenn die Umfragen in der Bevölkerung ihn tragen würden, wohl wissend, dass beides zutrifft. In der Unionsfraktion des…