In der zentralasiatischen Republik Kirgisistan hat Präsident Sadyr Schaparow per Verfassungsreferendum seine Vollmachten ausgebaut. Die Wahlkommission in der Hauptstadt Bischkek erklärte die Abstimmung am Montag für gültig. Demnach stimmten am Sonntag 79,26 Prozent der Wähler für die Reform, die einen Abschied von der vor zehn Jahren beschlossenen Parlaments- und die Rückkehr zu einer Präsidialrepublik bedeutet. Menschenrechtler befürchten, dass sich nun autoritäre Strukturen in dem Hochgebirgsland an der Grenze zu China wieder festigen.

Die Wahlbeteiligung unter den 3,6 Millionen Berechtigten wurde mit 37,27 Prozent angegeben. 13,6 Prozent der Wähler hätten gegen die Verfassungsreform gestimmt, hieß es. Die EU hatte im März in einem Gutachten festgestellt, dass die neue Verfassung die Machtbalance und die individuellen Freiheitsrechte sowie die Rechtsstaatlichkeit gefährde. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte die Ex-Sowjetrepublik zum Verzicht auf die Reform aufgefordert.

Experten bescheinigen dem krisengeschüttelten Land eine hohe Politikverdrossenheit. Demnach hoffen die Kirgisen unter Schaparow vor allem auf Arbeitsplätze, eine Besserung der wirtschaftlichen Lage und auf soziale Wohltaten. Im Oktober erlebte das Land nach einer umstrittenen Parlamentswahl erneut einen gewaltsamen Machtwechsel. Eine Wiederholung der Wahl soll es erst im Herbst geben.

Die Region in Zentralasien ist von autoritären Präsidialsystemen geprägt. Das verarmte Kirgisistan hatte sich als einziges Land hingegen nach mehreren Revolutionen vor zehn Jahren zu einer Republik mit einem starken Parlament gewandelt. Schaparow, der wegen einer Geiselnahme verurteilt worden war, wurde im Oktober aus dem Gefängnis befreit, übernahm den Posten des Regierungschefs, drängte Staatschef Sooronbaj Dscheenbekow aus dem Amt und ließ sich nach einer umstrittenen Wahl im Januar zum Präsidenten ernennen. Er stieß auch die Verfassungsänderung an.