Neid-Forscherin Corcoran
„Als ich das erste Mal von Impfneid gehört habe, dachte ich: Ach, wie schön“

Impfschlange in Peking – soll man neidisch sein auf diejenigen, die die Spritze schon bekommen haben

© Kevin Frayer / Getty Images

von Niels Kruse

12.04.2021, 18:37 Uhr

Die Corona-Impf-Kampagne läuft zäh an, neidisch blicken manche auf diejenigen, die nun vor dem Virus schützt sind. Oder sind sie missgünstig? Die Schweizer Neid-Forscherin Katja Corcoran über ein unschönes Gefühl mit durchaus positivem Effekt.

Frau Corcoran, die Corona-Impfungen kommen nur schleppend voran. Können Sie verstehen, dass diejenigen, die in der Warteschleife stehen (oder nicht einmal das) neidisch auf die bereits Geimpften sind?

Als ich das erste Mal von Impfneid gehört habe, dachte ich: Ach, wie schön. Dass es dieses Gefühl gibt, bedeutet schließlich, dass sich die Menschen impfen lassen wollen. Denn ich bin nicht auf etwas neidisch, das ich nicht haben will.

Sie haben nichts gegen Impfneid?

Neid ist zunächst etwas zutiefst Menschliches. In dem Moment, in dem ich sehe, dass jemand anderes etwas hat, darf oder kann, dass ich auch gerne hätte, dürfte oder können würde, kann das Neid auslösen. Ich hatte befürchtet, dass viele Menschen Impfungen ablehnen. Aber wenn die Menschen auf Geimpfte neidisch sind, habe ich die Hoffnung, dass sie den Wunsch haben, sich impfen zu lassen. Das ist doch positiv.

Leider haben wir selbst keine Möglichkeit, den Impf-Zeitpunkt zu bestimmen und fühlen uns deshalb ohnmächtig. Wirkt sich das auf das Neid-Empfinden aus?

Kontrollverlust ist nicht so entscheidend, kann aber die Art des Neids beeinflussen und zum Beispiel zur bösartigen Form führen: der Missgunst.

Es gibt verschiedene Formen von Neid?

Ja. Der…