Rund ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung noch kaum einen Überblick, wie viele Menschen in Deutschland unter Spät- und Langzeitfolgen des Virus leiden. Das ergibt sich aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag, die dem SPIEGEL vorliegt.

»In Deutschland liegen noch keine eigenen Daten zur Anzahl der Patientinnen und Patienten mit Spät- und Langzeitfolgen in Folge ihrer Covid-19-Erkrankung sowie zu besonders betroffenen Altersgruppen vor«, heißt es darin. Als Grund dafür gibt die Bundesregierung an, dass Spätfolgen bislang vom Robert Koch-Institut (RKI) nicht regulär im Meldesystem erfasst werden. Es liefen jedoch Studien, von denen unter anderem auch Erkenntnisse zu Long Covid zu erwarten seien.

Unter Long Covid werden die Langzeitbeschwerden vieler Patientinnen und Patienten zusammengefasst, die nach ihrer Covid-19-Infektion teilweise noch Wochen oder Monate unter Symptomen leiden. Zu den häufigsten Langzeitbeschwerden gehören Erschöpfung, Kopfschmerzen, Schlappheit, Haarausfall, Konzentrationsstörungen, Kurzatmigkeit, neurologische Probleme oder die sogenannte Fatigue (Erschöpfungssyndrom). Die meisten Betroffenen berichten davon, unter mehreren dieser Symptome zu leiden.

Viele von ihnen sind aufgrund ihrer Beschwerden längerfristig arbeitsunfähig. Wie viele, das konnte die Bundesregierung auf die entsprechende Frage der Grünen nicht sagen. Auch nicht, wie lange die Betroffenen durchschnittlich krankgeschrieben sind.

Wer an Long Covid erkrankt und warum, bleibt für die Wissenschaft vorerst ein Rätsel. Auch die Bundesregierung hat darüber nur rudimentäre Kenntnisse. »Nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand wird vermutet, dass Spät- und Langzeitfolgen von Covid-19 durch eine Dysregulation der Immunantwort verursacht werden«, heißt es in der Antwort. Entzündungen der Gefäße sowie Ausbildung von Mikrothromben schienen in manchen Fällen ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen. Das…