Es war zuletzt immer wieder das gleiche Spiel. Zuerst kamen die zähen Corona-Sitzungen der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten mit der Kanzlerin. Dort wurde etwas beschlossen, an das sich dann kaum mehr jemand halten mochte, etwa die Notbremse bei steigenden Infektionszahlen. Statt diese, wie in Hamburg, tatsächlich umzusetzen, entschieden sich die meisten anderen Länder für Sonderregeln. Gern auch mit als »Modellversuch« getarnten Lockerungen.

Nun soll – anstelle einer weiteren Bund-Länder-Konferenz – das Infektionsschutzgesetz geändert werden. Derzeit wird um die Gesetzesvorlage gestritten. Manche Länder fürchten den Verlust von Kompetenzen, die Opposition sieht unter anderem die Möglichkeit von Ausgangssperren kritisch. Manch einer empfindet dabei das Verbot, die eigene Wohnung ab einer bestimmten Uhrzeit ohne triftigen Grund zu verlassen, als zu weit gehenden Eingriff in die Grundrechte an. Andere wiederum geißeln die Maßnahme gleich als reine Symbolpolitik, obwohl es wissenschaftliche Hinweise darauf gibt, dass Ausgangssperren einen – wenngleich überschaubaren – Beitrag zur Kontrolle der Pandemie leisten können.

In dem aktuellen Entwurf der Bundesregierung gibt es allerdings eine Regelung, die – abgesehen von der weiter fehlenden Home-Office-Pflicht für Arbeitgeber – wohl kritischer ist als vieles andere: Schulschließungen soll es erst dann geben, wenn in einem Landkreis an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Inzidenz von 200 überschritten wurde.

Die Schulen möglichst lange offen zu halten, das ist ein erklärtes politisches Ziel. Mit Blick auf die Bildungschancen der jüngeren Generation, gerade aus sozial benachteiligten Familien, kann man dagegen kaum etwas sagen. Und dennoch: Die Inzidenz von 200 ist ein Problem. Wissenschaftlich lässt sie sich nämlich nicht begründen.

Ursprünglich sind Inzidenzwerte einmal ins Infektionsschutzgesetz gekommen, weil man damit die Arbeitsfähigkeit der Gesundheitsämter bei der…