Bisher führen Baerbock und Habeck einen Machtkampf ohne Kampf, so harmonisch geht es bei den Grünen zu. Zuletzt aber ließ Baerbock im Gespräch mit dem SPIEGEL erkennen, wie schwer die demonstrative Harmonie bisweilen fällt: »Ich glaube, keinem von uns fällt es schwer zu sagen: Du bist der oder die Richtige«, sagte die Parteichefin da. Ein möglicher Verzicht auf die Kanzlerkandidatur zugunsten ihres Kollegen wäre dennoch »am Ende ein kleiner Stich ins Herz«.

Vielleicht wird die Entscheidung Baerbock am Ende aber gar nicht wehtun. Denn die SPIEGEL-Umfrage zur grünen K-Frage zeigt: Annalena Baerbock hat im Rennen mit Robert Habeck massiv aufgeholt. Bei den Grünenanhängern liegt sie sogar deutlich vor ihrem Co-Vorsitzenden.

Insgesamt können sich zwar mehr Wählerinnen und Wähler Robert Habeck als grünen Kanzlerkandidaten vorstellen: 32 Prozent würden ihn Annalena Baerbock vorziehen, für die sich 25 Prozent aussprachen. Der Großteil ist laut der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey allerdings noch unentschieden.

(Lesen Sie hier die Hintergründe zur Civey-Methodik.)

Im Zeitverlauf zeigt sich, dass Baerbock an Zustimmung zugelegt hat, während Habeck einbüßt. 2019 hielten gerade einmal elf Prozent der Bürgerinnen und Bürger Baerbock für die bessere Kandidatin. Für Habeck sprachen sich damals 42 Prozent aus.

Bei den Grünenwählern liegt Baerbock vorn

Unter den Grünensympathisanten ist Baerbocks Zugewinn an Popularität noch ausgeprägter. Nur ein Fünftel ist noch unentschlossen, und entgegen dem Gesamtergebnis liegt Baerbock hier klar in Führung. 45 Prozent der potenziellen Grünenwähler favorisieren sie als Kanzlerkandidatin, 35 Prozent wünschen sich Habeck.

Die Wählerinnen und Wähler aller anderen Parteien sehen durchweg in Habeck den geeigneteren Bewerber für das Kanzleramt – sind aber auch zu einem größeren Anteil unentschieden.

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