Wenn irgendwo in Deutschland am Ende eines Tages noch Dosen der begehrten Corona-Vakzinen übrig bleiben, stellt sich die Frage: Wer soll damit geimpft werden? Die zufällig vorbeilaufende Fußgängerin? Das Securitypersonal im Impfzentrum? Politiker?

Weggeworfener Impfstoff nutzt niemandem, das ist klar. Doch viel zu oft entscheidet der Zufall, in welchem Arm Restdosen der Corona-Vakzinen landen. Vielfach wissen die Mitarbeitenden der Impfzentren gar nicht, wer als Nächstes an der Reihe wäre – und wie sie diese Person erreichen könnten.

Die Stadt Potsdam testet nun eine digitale Warteliste, um dieses Dilemma zu lösen. Über die Liste können kurzfristig Impftermine vergeben werden. Darauf kommt nur, wer derzeit berechtigt ist, eine Impfung zu erhalten. »Dadurch können wir Willkür verhindern«, erzählt Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) dem SPIEGEL. Aktuell gehören dazu Menschen mit der Priorität 1 und Priorität 2.

Konkret sind das:

über 70-Jährige

Berufsgruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko

Menschen mit bestimmten Behinderungen oder Vorerkrankungen

Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren (eine komplette Liste der Impfberechtigten finden Sie hier)

Spritze in 30 Minuten

Wann immer in Potsdam wider Erwarten Dosen übrig bleiben, bekommen die auf der Liste registrierten Impfwilligen einen Anruf. Innerhalb von 30 Minuten müssen sie anschließend vor Ort sein, sonst rückt die nächste Person auf der Warteliste vor.

Der Andrang sei riesig, sagt Schubert. Allein in den ersten vier Tagen hätten sich mehr als 2000 Menschen auf der Liste registriert. »Wir hatten schon Sorge, die Plattform könnte zusammenbrechen, aber bisher funktioniert alles«, so der Bürgermeister.

Wie sieht es im Rest der Republik aus? Bisher gibt es keine bundesweit einheitliche Regel, was mit übrig gebliebenen Impfstoffen passieren soll. »Sowohl Terminvereinbarung als auch Organisation und Durchführung der Schutzimpfungen liegen in der Zuständigkeit der…