Die Militärs in Myanmar haben in der viertgrößten Stadt des Landes offenbar ein Massaker angerichtet: Es dauerte einen Tag, bis die Einzelheiten durchsickerten, aber nach Angaben von Aktivistinnen und Aktivisten wurden bei der brutalen Niederschlagung von Protesten am Freitag in der Stadt Bago Dutzende Menschen getötet. Die Hilfsorganisation für politische Gefangene (AAPP) sprach am Samstag von »über 80« Toten. Sicherheitskräfte hätten Gewehrgranaten eingesetzt, um die Demonstranten auseinanderzutreiben.

Da die Militärjunta inzwischen das Mobilfunknetz stark gedrosselt hat, wird es zunehmend schwierig, Nachrichten über Razzien und Tote zu überprüfen. Von der Nachrichtenagentur AFP überprüfte Videoaufnahmen scheinen das brutale Vorgehen von Militär und Polizei in der rund 65 Kilometer nordöstlich von Yangon gelegenen Stadt jedoch zu bestätigen: Darauf ist zu sehen, wie Demonstranten hinter Sandsackbarrikaden kauern und mit selbst gebauten Gewehren hantieren, während im Hintergrund Explosionen zu hören sind.

Ein Anwohner berichtete AFP, wie Leichen in einen Armeelaster geladen wurden, der kurz darauf wegfuhr. Den Rettungskräften sei es nicht erlaubt worden, in die Nähe der Toten zu kommen. Viele Einwohner seien vor der Gewalt in die nächstgelegenen Dörfer geflüchtet.

Nach einer Zählung von AAPP wurden seit dem Militärputsch Anfang Februar mindestens 618 Zivilisten getötet. Ein Juntasprecher sprach hingegen am Freitag von 248 getöteten »gewalttätigen Terroristen«.

Aller Gewalt und Einschüchterungsversuchen zum Trotz gingen die Proteste gegen die Militärherrscher am Samstag weiter, vor allem in der Wirtschaftsmetropole Yangon und der zweitgrößten Stadt Mandalay.

Keine »Garantien für einen freien und fairen Prozess«

Für scharfe Kritik sorgten unterdessen Berichte der Staatsmedien, wonach 19 Menschen von einem Militärgericht in Myanmar wegen Raubes und Mordes zum Tode verurteilt worden seien, davon 17 in Abwesenheit. Phil Robertson von der…