Menschen fühlen sich ihrem Gegenüber nicht enger verbunden, wenn sie ihm via Webcam ins Gesicht blicken. Das ergab eine Befragung, die Sozialpsychologen der Uni Duisburg-Essen zu Beginn der Coronakrise durchgeführt haben. Die Möglichkeit des Plauderns via Webcam, berichten sie, motiviere nicht einmal dazu, sich eifriger an die Notwendigkeiten des Social Distancing zu halten. Mehr gefühlte Nähe als die audiovisuelle Kommuni­kation, schreiben sie im »International Journal of Psychology«, schaffe der regelmäßige Austausch über Textnachrichten.

Auch wenn es nicht um Freundschaft und Freizeit geht, sondern um Zusammenarbeit mit Kollegen, schnitten Videokon­ferenzen schlecht ab, berichten amerikanische Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaftler in der Fachzeitschrift »­Plos One«. Ihren Experimenten zufolge arbeiten Menschen, die einander nur hören können, auf Distanz besser zusammen als jene, die ihr Gegenüber auch sehen. Nonverbale Aspekte von Kommunikation, folgern sie, gehen im Video verblüffenderweise eher verloren, als dass sie unterstützt würden.

Digitale Weinproben und Onlinegeburtstagsfeiern dürften sich erledigt haben, sobald die Pandemie eingedämmt ist – schade ist das nicht. Dass Menschen, womöglich ermuntert durch diese Erkenntnisse, bald wieder ins Flugzeug steigen, um Kunden und Kollegen in aller Welt leibhaftig zu treffen, wäre allerdings schlecht. So könnte die Videotelefonie auch als Klimaretter ausfallen.

Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die nächste Konferenz, bei der ich meinen Kolleginnen und Kollegen wieder persönlich gegenübersitzen kann – und werde dazu mit dem Zug anreisen.

Herzlich

Ihre Julia Koch

(Feedback & Anregungen?) 

Abstract

Meine Leseempfehlungen dieser Woche:

Der Physiker und Buchautor Michio Kaku erklärt in diesem Interview mit dem »Guardian«, warum er meint, dass die Weltformel in greifbarer Nähe liegt, und warum wir besser nicht Kontakt mit Aliens aufnehmen sollten.

Wie viele Menschen hat Donald Trumps…