Trotz aller Appelle zum Stopp der Gewalt haben in der vergangenen Nacht in der nordirischen Hauptstadt Belfast erneut Randalierer gewütet. Jugendliche warfen im Westen der Stadt Steine, Feuerwerkskörper und Molotowcocktails auf Polizisten.

Daraufhin habe die Polizei Wasserwerfer gegen die Randalierer eingesetzt – laut BBC zum ersten Mal seit sechs Jahren bei Krawallen. Die Polizei habe zudem mit dem Einsatz von Plastikgeschossen gedroht.

Hunderte Randalierer hätten sich versammelt, berichtete die Zeitung „Belfast Telegraph“. Die nordirische Justizministerin Naomi Long machte für die Krawalle auf Twitter „nationalistische Jugendliche“ verantwortlich. Ob Menschen bei den jüngsten Protesten verletzt wurden, ist bisher nicht klar.

Corona-Politik und Brexit-Folgen

Vorgeblicher Anlass für die Proteste ist die Entscheidung der Polizei, Politiker der katholisch-republikanischen Partei Sinn Fein nach Teilnahme an der großen Beerdigung eines ehemaligen IRA-Terroristen nicht wegen Verstößen gegen Corona-Regeln zu belangen. Auch der Sonderstatus Nordirlands, wie er im Brexit-Abkommen festgelegt wurde, stößt in Teilen des protestantischen Lagers auf Widerstand.

Der Nordirland-Konflikt (Archivbild von 1981) beschäftigte die Region viele Jahre; seit dem Karfreitagsabkommen 1998 galt der Konflikt aber als befriedet

Die Regelung soll verhindern, dass es zwischen Nordirland und der zur EU gehörenden Republik Irland wieder eine geschlossene Grenze gibt, da dies das so genannte Karfreitagsabkommen in Gefahr bringen würde.

Dieses war im April 1998 unterzeichnet worden, um den jahrzehntelangen gewaltsamen Konflikt zwischen pro-britischen Protestanten und den nach Unabhängigkeit von London strebenden Katholiken zu beenden. Warnungen, die Brexit-Folgen könnten den Frieden in Nordirland gefährden, gibt es schon lange.

bru/mak (dpa / afp)