Die Unruhen in Nordirland gehen weiter. Im Westen der Hauptstadt Belfast warfen Randalierer am Donnerstagabend Molotowcocktails und Steine auf Polizisten, wie unter anderem die Nachrichtenagenturen Reuters und AP berichten. Die Polizei reagierte mit Wasserwerfern, laut der BBC erstmals seit sechs Jahren bei Unruhen. Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Wie der britische »Guardian« berichtet, soll die Polizei am Abend auch mit dem Einsatz von Plastikgeschossen gedroht haben. Bereits in der Nacht auf Donnerstag setzte die Polizei demnach Plastikgeschosse ein. Die nordirische Justizministerin Naomi Long rief erneut zu einem Ende der Gewalt auf, die Ereignisse seien »deprimierend und rücksichtslos«, twitterte sie. Long schrieb von nationalistischen Randalierern.

Bereits zuvor hatte die nordirische Regierung die Gewalt in einer parteiübergreifenden Erklärung verurteilt. Der britische Premierminister Boris Johnson zeigte sich »zutiefst besorgt«. Er und sein irischer Amtskollege Micheál Martin riefen zu »Ruhe« auf.

Dutzende Polizisten verletzt

Bei den Unruhen der vergangenen Tage waren mehr als 50 Polizisten verletzt worden. Nach Ansicht der Sicherheitsbehörden stecken dahinter teils militante protestantisch-loyalistische Gruppierungen, die auch im Drogenhandel tätig sind.

Anlass der gewaltbereiten Proteste soll die Entscheidung der Polizei sein, hochrangige Politiker der katholisch-republikanischen Sinn-Fein-Partei nicht wegen Verstößen gegen Corona-Regeln zu belangen. Die Politiker hatten an einer großen Beerdigung eines ehemaligen IRA-Terroristen teilgenommen. Auch der Sonderstatus Nordirlands, wie er im Brexit-Abkommen festgelegt wurde, stößt in Teilen des protestantischen Lagers auf Widerstand.

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