Um die Bevölkerung vor Pandemien wirksam zu schützen, braucht Deutschland nach Ansicht von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek eine staatliche Agentur für die Entwicklung neuer Impfstoffe. Die Agentur müsse wie die Forschungs- und Entwicklungsabteilung einer erfolgreichen Pharmafirma agieren, fordert die CDU-Politikerin in einem Gastbeitrag für das »Handelsblatt«. Nur dass sie anstelle der Gesellschafterinteressen die Interessen der öffentlichen Gesundheit verfolge.

Laut Karliczek sollte die Bundesregierung noch vor der Sommerpause den Grundstein für die Agentur legen. »Jedes Zögern wäre unverzeihlich. Noch liegt der Fokus auf der Bekämpfung der Pandemie. Darüber hinaus müssen wir aber jetzt schon die notwendigen Schlussfolgerungen aus der Pandemie ziehen.«

Milliardenbudget gefordert

Die Forschungsministerin schlägt vor, dieses Jahr mit 50 Millionen Euro zu starten – und nach der Aufbauphase ein Jahresbudget von rund einer Milliarde Euro pro Jahr erreichen«. Der Ministerin zufolge steht der Staat in der Verantwortung, die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten durch langfristige Forschungs- und Entwicklungsprogramme zu sichern. »Dazu sind Wissenschaft und Wirtschaft alleine nicht in der Lage.«

Erste Ideen für eine pharmazeutische Innovationsagentur hatte Karliczek vergangenen Sommer geäußert, nun hat sie Details ihrer Pläne vorgestellt. Deutschland müsse bei der Entwicklung und Produktion von Medikamenten wieder selbstständiger werden, auch von Drittstaaten, hatte sie bereits im Juni gefordert. Denn die Pandemie hatte gezeigt, wie abhängig Deutschland von Wirkstoffproduzenten in Asien ist. Bei den Corona-Impfstoffen indes sorgte zuletzt das globale Feilschen um Liefermengen von Vakzinen von AstraZeneca für Schlagzeilen.

Die Agentur solle darauf ausgerichtet sein, Impf- und Wirkstoffe, die für die öffentliche Gesundheit von großer Bedeutung sind, prophylaktisch vorzubereiten und zu entwickeln, um sie bei Bedarf schnell in die…