Bonbons und Brathähnchen
Wie Nawalnys Hungerstreik in Haft gebrochen werden soll: „Primitivität des Vorgehens ist überraschend“

Alexej Nawalny vor einem Moskauer Gericht. In Haft hat sich der Gesundheitszustand von Putins Erzfeind rapide verschlechtert. 

© Kirill Kudryavtev / AFP

von Ellen Ivits

08.04.2021, 16:20 Uhr

Seit einer Woche befindet sich Alexej Nawalny im Hungerstreik. Damit will er erreichen, dass Ärzte zu ihm vorgelassen werden und er medizinische Hilfe bekommt. Um ihn von seinem Protest abzubringen, setzt die Leitung der Haftanstalt offenbar auf profane Mittel. 

Seit dem 31. März befindet sich Alexej Nawalny im Hungerstreik. In den sozialen Netzwerken ist nun ein Beitrag in seinem Namen veröffentlicht worden, in dem der Politiker berichtet, wie die Verwaltung des Straflagers, in dem er inhaftiert ist, versucht, seinen Hungerstreik zu „diskreditieren“.

„Wisst ihr, was sich in der ersten Phase des Hungerstreiks als das Wichtigste erwiesen hat? Die Kontrolle der eignen Taschen“, beginnt Nawalny seine Botschaft, die er wohl über seine Anwälte übermitteln konnte. Die Mitarbeiter der Haftanstalt würden ihm Bonbons unterjubeln. „Der erste wurde bei einer Kontrolle gefunden und sofort hieß es mit spöttischem Grinsen: ‚Was haben Sie denn da, Alexej Anatoljewich? Süßigkeiten?‘ Seitdem kontrolliere ich alle Kleidungsstücke, die nicht beaufsichtigt waren, bevor ich sie anziehe und hole die Bonbons heraus.“ 

Er habe gewusst, dass die Behörden versuchen würden, seinen Hungerstreik zu diskreditieren und lächerlich zu machen. „Aber die Primitivität des Vorgehens ist überraschend“, so der Erzfeind Waldimir Putins. 

Brathähnchen oder Ideale? 

Außer Süßigkeiten soll der Duft von Brathähnchen Nawalny in Versuchung führen. Wenige Tage nach Beginn des Hungerstreiks sei in der…