Als erstes Mitglied der neuen US-Regierung kommt der amerikanische Verteidigungsminister Lloyd James Austin am kommenden Dienstag nach Berlin. Wie DER SPIEGEL aus Regierungskreisen erfuhr, sind für Dienstag Gespräche mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) geplant. Dabei dürfte es vor allem um die Zukunft der Nato-Mission „Resolute Support“ in Afghanistan gehen, an der sich auch die Bundeswehr beteiligt.

Die Visite des früheren Generals kommt zu einer Zeit, in der sich die Bundesregierung auf allen Kanälen bemüht, nach dem offenen Zwist mit Donald Trump wieder engere Kontakte zur neuen US-Administration aufzubauen. Auch Kramp-Karrenbauer hatte bereits mit Austin telefoniert. Einen eigentlich für Mitte April angedachten Besuch der Ministerin in Washington aber hatte die US-Regierung wegen der Coronakrise verschoben.

Aus deutscher Sicht ist bei den Gesprächen vor allem die Frage drängend, wie die USA die Zukunft der Militärmission in Afghanistan planen. Präsident Joe Biden hatte kurz nach Amtsantritt den noch unter Trump geplanten Komplettabzug der US-Truppen ausgesetzt und will erst sichtbare Erfolge bei den Friedensgesprächen mit den Taliban sehen. Eigentlich sah ein erstes Abkommen vor, dass alle ausländischen Truppen bis Ende April abziehen wollen.

Bundeswehr rüstet sich für Eskalation in Afghanistan

Da die Bundeswehr in Afghanistan bei Notfällen auf den Schutz der US Air Force setzt, sind die US-Planungen für die nächsten Monate für die Strategen im Verteidigungsressort extrem wichtig. Da alle Nato-Einheiten für die Zeit nach Ende April eine neue Welle von Angriffen der Taliban gegen ausländische Truppen befürchten, ordnete Ministerin Kramp-Karrenbauer schon vor Wochen einen verstärkten Schutz des Lagers in Masar-e-Scharif an.

Die Visite in Berlin findet im Rahmen einer größeren Reise von Austin statt. Zunächst wird der Verteidigungsminister am Wochenende in Israel erwartet. Nach dem Stopp in Berlin wird er das US-Kommando in…