1. Söders klare Vagheit

Wenn der Blick ins Archiv nicht trügt, hat es Markus Söder mit einem knackigen Zitat zum ersten Mal 1993 in den SPIEGEL geschafft, 26 Jahre alt und Nürnberger CSU-Bezirksvorstandsvize. Damals kommentierte er den Machtkampf zwischen Theo Waigel und Edmund Stoiber, die beide Ministerpräsident von Bayern werden wollten. Stoiber gewann, dennoch könne Waigel »unbeschädigt« als Finanzminister in Bonn weitermachen, sagte Söder damals: »Diesmal mit Stoiber im Rücken, aber ohne Dolch.«

Unzählige Zitate und Interviews später hat Söder jetzt mit meiner Kollegin Anna Clauß und meinen Kollegen Christoph Hickmann und Veit Medick wieder über einen Machtkampf gesprochen – den zwischen ihm und Armin Laschet. Natürlich sagt er wieder knallige Sätze (»Die Union muss sexy und solide zugleich sein.«), gibt sich staatsmännisch-vage (»Verantwortung heißt, die Realität anzunehmen, Probleme und Sorgen von vielen zu schultern.«) und angriffslustig-selbstbewusst zugleich (»Umfragen spielen natürlich eine wichtige Rolle.«).

»In einen Machtkampf mit Markus Söder will man wirklich nicht geraten«, sagt Veit. »Er hat da aus Bayern sehr viel Erfahrung. Jetzt ist Armin Laschet dran. Ohne seine Bereitschaft klar auszusprechen, robbt sich Söder an die Kanzlerkandidatur heran.« Jeder zweite Satz von ihm transportiere auf subtile Art die Botschaft: Ich muss nicht – aber ich würde es schon machen.

Söder wirkt vergleichsweise entspannt, sagt Veit. Was auch daran liegt, dass er – anders als Laschet – mit jedem Ergebnis gut leben kann. »Verliert er, macht er einfach weiter in Bayern. Muss Laschet verzichten, ist er als CDU-Chef schwer beschädigt.« Die Frage bleibt: Wer steht hinter wem, und hält derjenige einen Dolch?

2. Notruf aus der Intensivmedizin

»Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen, bevor ihr reagieren wollt???« Das twitterte Christian Karagiannidis, Leiter des Divi-Intensivregisters und Präsident der…