von Annette Berger

08.04.2021, 17:51 Uhr

Ist der Frieden in Nordirland vorbei? Seit mehr als einer Woche vergeht kein Tag ohne blutige Krawalle. Der Brexit verschlimmert die Lage: Die London-treuen Protestanten fühlen sich verraten.

Ein brennender Bus, Jugendliche, die Brandsätze werfen, nächtliche Krawalle – aus Nordirland werden seit Tagen Bilder gesendet, von denen viele gehofft hatten, dass sie nie wieder zu sehen sind. Gut eine Generation ist das Karfreitagsabkommen her, das im April 1998 einen der blutigsten Konflikte der Nachkriegszeit in Europa beendete. Jetzt scheint er wieder aufzuflammen. Politiker in Großbritannien sind alarmiert.

Seit mehr als einer Woche explodiert Abend für Abend die Gewalt irgendwo in einer Stadt in Nordirland, beklagt die BBC, die der Lage dort eine lange Analyse widmet. Viele befürchten, dass sich die Gewalt weiter aufschaukelt.

Bus in Belfast in Brand gesteckt

In der Nacht zum Donnerstag gab es besonders schlimme Krawalle in der Provinzhauptstadt Belfast, wo Jugendliche einen Doppeldeckerbus kaperten und in Brand setzten. Der Fahrer des Busses sei zwei äußerlich unverletzt geblieben, so die BBC, aber er sei schwer schockiert. Die Attacke ereignete sich an einer Kreuzung, genau an der Grenze zwischen einem katholischen und einem protestantischen Wohnviertel. 

Politiker verurteilten die Gewalt. Die Regierung des Landesteils, der zu Großbritannien gehört, veröffentlichte am Donnerstagnachmittag nach einer Sondersitzung eine Erklärung, in der die Krawalle scharf verurteilt wurden:  „Zerstörung, Gewalt und die Androhung von Gewalt sind vollkommen inakzeptabel und nicht zu rechtfertigen“, hieß es darin.

Nordirland wird von einer Einheitsregierung der jeweils größten Parteien von protestantisch-unionistischer und katholisch-republikanischer Seite regiert. Etwas mehr…