Im Prozess um den gewaltsamen Tod des schwarzen Amerikaners George Floyd hat ein sachverständiger Lungenspezialist ausgesagt. Demnach starb Floyd an Sauerstoffmangel. Grund dafür sei gewesen, dass der Tote mit Handschellen gefesselt bäuchlings auf dem Boden fixiert und sein Gesicht gegen den Asphalt gepresst wurde, sagte Dr. Martin Tobin vor Gericht.

Tobin widersprach damit der Verteidigung des angeklagten Ex-Polizeibeamten Derek Chauvin, wonach Floyds Drogenkonsum sowie ein allgemein beeinträchtigter Gesundheitszustand ursächlich für seinen Tod gewesen sein könnten. Im Körper des Toten waren das Opioid Fentanyl sowie Metamphetamine gefunden worden.

Der Experte widersprach dem vor Gericht. Demnach wäre selbst eine gesunde Person gestorben, wenn sie der gleichen Behandlung wie Floyd unterzogen worden wäre.

Floyds auf Videos festgehaltener Tod am 25. Mai des vergangenen Jahres hatte weltweit Empörung ausgelöst. Chauvin hatte dem wegen des Vorwurfs, mit Falschgeld bezahlt zu haben, festgenommenen 46-Jährigen nach Angaben der Staatsanwaltschaft genau neun Minuten und 29 Sekunden lang sein Knie in den Nacken gedrückt, obwohl Floyd wiederholt klagte, er bekomme keine Luft mehr, und schließlich das Bewusstsein verlor. Floyd wurde später in einem Krankenhaus für tot erklärt.

Chauvin habe sein Knie noch gut drei Minuten lang auf Floyds Nacken gedrückt, nachdem so gut wie gar kein Sauerstoff mehr in dessen Körper vorhanden gewesen sei, sagte Tobin.

Der nach dem Vorfall von Polizeichef Arradondo entlassene Chauvin muss sich vor Gericht unter anderem wegen »Mordes zweiten Grades« verantworten. Das entspricht hierzulande etwa dem Totschlag und wird mit einer Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren bestraft. Der weiße Ex-Polizist weist die Vorwürfe zurück.