Fleischindustrie
Licht und Schatten nach dem Aus für Werkverträge

In der Fleischindustrie dürfen keine Werkverträge mehr eingesetzt werden. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa/Archivbild

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Über Jahre standen die Werkarbeiterverträge in der Fleischbranche in der Kritik. Erst die Corona-Pandemie sorgte zum Jahreswechsel für die Wende.

Ein Vierteljahr nach dem Aus von Werkarbeitsverhältnissen in den Kernbereichen der Schlacht- und Fleischindustrie fällt das Fazit aus Gewerkschaftssicht durchwachsen aus.

Einige Unternehmen haben bereits im vergangenen Jahr die Werkarbeiter als eigene Arbeitnehmer eingestellt, sagte Szabolcs Sepsi von der DGB-Beratungsstelle «Faire Mobilität» in Dortmund: «Damit ändert sich natürlich nicht von heute auf morgen die Führungskultur oder der Umgang mit den Menschen.» Insgesamt spreche man von vielen zehntausend Menschen, die übernommen worden seien.

Die über viele Jahre übliche Praxis, dass in den Schlacht- und Zerlegebetrieben die Kernarbeit nicht von festangestellten Mitarbeitern, sondern von osteuropäischen Werkarbeitern geleistet wurde, hatte die Bundesregierung zum Ende des vergangenen Jahres beendet. Auslöser waren große Corona-Infektionsausbrüche unter der Belegschaft, etwa beim Marktführer Tönnies.

Laut Sepsi ist nach wie vor die Wohnsituation ein großes Problem – er höre immer noch davon, dass teils sechs Personen in Drei-Zimmer-Wohnungen untergebracht seien und jeder 190 bis 200 Euro Monatsmiete bezahlen müsse. Allerdings hätten die großen Unternehmen Programme gestartet, die Situation zu verbessern.

Ein großes Thema unter den Beschäftigten seien die bislang erfolglosen Verhandlungen um einen Tarifvertrag für die Beschäftigten. «Das war auch in der Presse in Rumänien ein Thema», sagte Sepsi. Die Forderung nach einem Mindeststundenlohn von 12,50…