Als Elon Musk am 12. November 2019 den Bau eines Tesla-Werks in Grünheide im Süden von Berlin verkündete, platzten sie in der brandenburgischen Landesregierung fast vor Stolz. Ministerpräsident Dietmar Woidke rollte dem US-Milliardär den roten Teppich aus, und malte die Zukunft in rosigen Farben. Schon eine Woche später setzte sich die sogenannte »Tesla Task Force« unter seiner Leitung zusammen, um zu beraten, was alles so nötig sein würde, damit die Region die Ansiedlung gut verkraftet – und auch, wie die Hürden für den Elektroautobauer beim Werksbau so weit wie möglich aus dem Weg geräumt werden könnten.

Doch allmählich müsste es aber auch den unverbesserlichen Optimisten dämmern, welch hohen Preis das Tesla-Werk kostet, so segensreich es für die wirtschaftliche Entwicklung der Region auch sein mag. Wobei hier nicht die Subventionen gemeint sind, die der Autobauer aller Voraussicht nach erhalten dürfte (von einer bis zu 1,4 Milliarden Euro ist die Rede).

Oder die Kosten für die Entwicklung der Infrastruktur, etwa den Ausbau von Straßen für den An- und Abtransport von Material und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Von zusätzlichem Wohnraum, und Kapazitäten in Kitas und Schulen für die zuziehenden Tesla-Mitarbeiter ganz zu schweigen. Der finanzielle Aufwand wird sich rechnen, weil er tausenden Familien ein gutes Einkommen, der örtlichen Wirtschaft neue Perspektiven und der Region bis weit über ihre Grenzen hinaus zusätzlichen Wohlstand beschert.

»Stressfaktor Tesla«

Hoch ist der Preis vielmehr in politischer Hinsicht. Denn Elon Musk tritt der Staatskanzlei in Potsdam nicht als Heilsbringer, sondern als eiserner Verhandler entgegen, der die Strukturen im Miteinander von Unternehmern und Regierenden ebenso konsequent rodet wie die Kiefern auf dem Baugrund seiner Gigafabrik. Der Selfmade-Multimilliardär ist der Hecht im Karpfenteich und er schert sich nicht um Regeln, schon gar nicht um Konventionen, das hat er bereits…