von Ellen Ivits

08.04.2021, 09:42 Uhr

Während Alexej Nawalny in Haft vor der ganzen Welt abgeschottet wird, durfte ausgerechnet eine ehemalige Agentin die Haftbedingen des Oppositionspolitikers unter die Luppe nehmen. Mit einem klaren Auftrag. 

Seit Wochen versuchen Ärzte, Aktivisten und Angehörige Alexej Nawalny zu Gesicht zu bekommen. Vergebens. Der inhaftierte Oppositionspolitiker wird in dem berüchtigten Straflager IK 2 vor der Weltöffentlichkeit abgeschottet – mit einer Ausnahme. Ein Kamerateam des Propagandasenders RT erhielt Zutritt zu dem prominenten Gefangen der Kolonie.

Entsandt zu der vermeintlichen „Inspektion mehrerer Straflager der Region Wladimir“ wurde eine Frau, die in den vergangenen Jahren von Kreml-Propagandisten zu einer Art Märtyrerin stilisiert worden ist: Maria Butina. 2019 war die heute 32-Jährige in den USA zu 18 Monaten Haft verurteilt worden, nachdem sie gestanden hatte, unter Anleitung eines russischen Regierungsvertreters republikanische Kreise und die US-Waffenlobby NRA infiltriert zu haben. Die Waffenlobbyistin bekannte sich zu der Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten.

Im Gegenzug für das tränenreichen Geständnis und die angekündigte Kooperation mit den US-Ermittlungsbehörden war der zweite Anklagepunkt der Tätigkeit als nicht registrierte ausländische Agentin fallengelassen worden. Insgesamt 15 Monate ihrer Haftstrafe saß Butina ab, bevor sie wegen guter Führung entlassen wurde. 

Wer, wenn nicht sie, sei nach ihrem Aufenthalt in einem US-Gefängnis dazu befähigt, über die Zustände in russischen Straflagern zu urteilen, heißt es in dem Bericht des vom russischen Staat gegründeten und finanzierten Senders, dem gezielte Desinformation sowie die Verbreitung von Verschwörungstheorien vorgeworfen werden. 

Russische Gefängnisse als Ferienlager