In Deutschland ist die Zahl der Insolvenzen im März stärker gestiegen als noch im Februar. 870 Personen- und Kapitalgesellschaften und damit 20 Prozent mehr als im Vormonat seien als insolvent gemeldet worden, teilte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle am Donnerstag mit. Damit sei fast das Niveau des Vorjahresmonats erreicht worden.

Die Analyse zeige, dass die größten zehn Prozent der Unternehmen, für die im März Insolvenz angemeldet wurde, zusammen knapp 8000 Menschen beschäftigten. Damit liege die Zahl der betroffenen Jobs in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, aber auch deutlich unter den Höchstständen des vergangenen Sommers. Die Daten zeigen: Von einer breiten und gesamtwirtschaftlich relevanten Insolvenzwelle ist Deutschland noch weit entfernt.

Seit Februar deute sich zudem ein starker Anstieg bei den Insolvenzen von Kleinstunternehmen und Selbstständigen an, teilten die Wirtschaftsforscher weiter mit. Ursache sei zum einen das Pandemiegeschehen. Für seine Analysen wertet das IWH eigenen Angaben zufolge die Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen der betroffenen Unternehmen.

»Insolvenzen vieler Kleinstunternehmen sind aus ökonomischer Sicht oft weniger einschneidend als eine Handvoll Großinsolvenzen«, sagt IWH-Ökonom Steffen Müller. Dies liegt aber nicht nur daran, dass bei Großinsolvenzen viel mehr Jobs betroffen sind. Auch die Lohnverluste der Beschäftigten sind viel höher. »In einer aktuellen Studie finden wir, dass die Lohnverluste nach einem Arbeitsplatzverlust stark von der Größe des insolventen Betriebs abhängen. Der Lohnabschlag verglichen mit dem alten Job ist für Entlassene aus Großbetrieben um ein Vielfaches höher als bei Menschen, die ihre Arbeit bei einem Kleinstunter­nehmen verlieren«, so Müller. Oft genug würden letztere in einer Folgebeschäfti­gung sogar mehr verdienen als vorher.