Die Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK) warnen vor Lieferengpässen wegen der Coronapandemie. Für viele Betriebe verschärfe sich »derzeit die Versorgungssituation bei wesentlichen Zulieferprodukten dramatisch«, sagte Verbandsgeschäftsführer Jan Kurth.

Die Branche sieht sich in einer Art Zangenangriff: Zum einen hat die Pandemie die Nachfrage der Kunden in die Höhe getrieben. Weil zum Beispiel Urlaubsreisen oder andere Freizeitaktivitäten ausgefallen sind, haben viele Bürger mehr Geld in die Ausstattung ihrer Wohnungen gesteckt, auch in neue Möbel.

Hinzu kommen aber auch Probleme beim Nachschub: Viele Zulieferbetriebe wurden vom ersten Lockdown im Frühjahr 2020 getroffen – und haben es bislang nicht geschafft, die leer gefegten Lagerhäuser wieder substanziell aufzufüllen.

Zweistellige Preiserhöhungen

Mehr als zwei Drittel der Produktionsbetriebe berichten in einer aktuellen Verbandsumfrage von Engpässen bei der Versorgung mit Holzwerkstoffen. »Von den Lieferanten werden vereinbarte Mengen kurzfristig gekürzt, verschoben oder ganz abgesagt«, so Kurth. Akute Lieferschwierigkeiten bestehen laut der Umfrage auch bei Metallteilen, Beschlägen und Funktionselementen sowie bei Polstermaterialien wie Schäumen, Vliesen, Stoffen und Leder. Verpackungsmaterialien und Transportkapazitäten sind ebenfalls knapp.

Das habe Auswirkungen auf Produktionsplanung und Lieferzeiten. Hinzu komme eine seit Jahresbeginn nochmals verschärfte Preisentwicklung bei etlichen Zulieferprodukten. Allein im vergangenen Jahr hätten es die Möbelbauer mit »zweistelligen Preiserhöhungen« zu tun gehabt, sagte ein Verbandssprecher dem SPIEGEL. Dies schlage auch deshalb besonders ins Gewicht, weil der Materialanteil an den Gesamtkosten sehr hoch sei.

Ob die Möbelketten diese höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben, ist bislang allerdings noch offen.