Seit einigen Wochen schon schwelt zwischen westlichen Modefirmen und dem chinesischen Staat ein Konflikt. In dessen Zentrum steht: Baumwolle. Genauer gesagt: Baumwolle aus der chinesischen Provinz Xinjiang.

Bereits Ende 2020 hatten Medien darüber berichtet, dass dort Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren als Zwangsarbeiter in der Baumwollproduktion eingesetzt werden. Mehrere große westliche Modekonzerne hatten daraufhin angekündigt, in Zukunft keine Baumwolle aus der Region mehr verarbeiten zu wollen, allen voran die schwedische Kette H&M.

Sänger und Schauspieler schweben auf Wolken

Im Gegenzug haben es die Firmen mit einem Sturm der (durchaus staatlich orchestrierten) Entrüstung chinesischer Kunden zu tun bekommen. Unter anderem kam es zu Boykott-Aufrufen. Chinesische Verbraucher würden »mit den Füßen abstimmen und widerspenstige Unternehmen boykottieren«, hieß es vor wenigen Tagen etwa beim Staatssender CCTV.

Dabei aber ist es nicht geblieben. Laut einem Bericht der britischen BBC haben chinesische TV-Sender damit begonnen, in zahlreichen Sendungen alle Hinweise auf westliche Kleidungshersteller zu überblenden. Betroffen seien demnach etwa beliebte Formate wie Musik-Show »Sisters Who Make Waves« oder die Reality-TV-Sendung »Chuong 21«.

Allerdings handelt es sich offenbar um ein recht aufwendiges Unterfangen: Einige Teilnehmer hätten nämlich »Kleidung mit westlichen Logos vom Kopf bis zu den Zehen getragen«, so die BBC. An manchen Stellen sähe es nun so aus, als würden »Sänger und Schauspieler auf Wolken schweben«.

Die Zensur hat offenbar auch Zeitpläne durcheinander gewirbelt. So musste eine Produktionsfirma den Veröffentlichungstermin einer Show kurzfristig verschieben – offiziell ohne Angabe von Gründen, offenbar aber wegen der Mode-Überblendungen.

Der Baumwoll-Konflikt war Ende März eskaliert, nachdem die EU erstmals seit über 30 Jahren wieder Sanktionen wegen Menschenrechtsverletzungen gegen China verhängt hatte.