Sehen Sie im Video: Trotz tausender Corona-Toter pro Tag lehnt Brasiliens Präsident Lockdown ab.

Volle Bahnsteige und überfüllte Züge in der brasilianischen Metropole Sao Paulo. Trotz rasant steigender Corona-Infektionszahlen und immer mehr Toten ist Brasilien von einem Lockdown – wie er in anderen Ländern gilt – weit entfernt. Für diesen Kurs steht vor allem der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro. Am Mittwoch bekräftigte er noch einmal seine Haltung: „Wir werden diese Politik, zu Hause zu bleiben und alles zu schließen, nicht akzeptieren. Das Virus wird nicht verschwinden. Dieses Virus, wie andere auch, ist hier, um zu bleiben und wird ein Leben lang bleiben. Es ist praktisch unmöglich, es auszurotten. Was werden wir bis dahin tun?“ Das brasilianische Gesundheitssystem leidet massiv unter der aktuellen Infektionswelle. In zahlreichen Bundesstaaten sind die Intensivstationen zu mehr als 90 Prozent belegt. Wissenschaftler wie Jamal Suleiman fordern einen konsequenten Lockdown für mindestens 20 Tage: „Die von der Zentralregierung abgelehnten Maßnahmen zur Einschränkung der Freizügigkeit und Lockdown-Strategien sind die einzigen nicht-pharmakologischen Strategien, die die Infektion stoppen können.“ Zu Beginn der Woche hatte das brasilianische Gesundheitsministerium mehr als 4000 Corona-Tote binnen 24 Stunden gemeldet. Immer neue Gräber müssen ausgehoben werden, die Totengräber sind im Dauereinsatz. Währenddessen läuft die Impfkampagne nur schleppend an. Wegen dieser schlechten Bilanz gerät Bolsonaro immer stärker unter Druck. In der vergangenen Woche besetzte er sechs Kabinettsposten neu, nachdem er zuvor bereits seinen inzwischen vierten Gesundheitsminister ernannt hatte.