Nahe der grönländischen Kleinstadt Narsaq im Südwesten der Insel erstreckt sich das Kvanefjeld-Massiv. Große Mengen seltener Erden und Mineralien liegen dort, aber auch Uran, das Niels Bohr bereits in den Vierzigern hier erforscht hat. Großmächte wie China – und in den vergangenen Jahren verstärkt auch die USA – interessieren sich für einen Abbau der wertvollen Ressourcen.

Die auf Grönland bislang regierenden Sozialdemokraten sahen in den Bodenschätzen eine Chance für die von Arbeitslosigkeit und Armut getroffene Bevölkerung: Eine Chance auf Reichtum, Arbeitsplätze und nicht zuletzt auch eine selbstständige und vom Mutterland Dänemark unabhängige Zukunft.

Doch die knapp 60.000 Einwohner des Landes haben sich bei der Parlamentswahl gegen dieses Projekt entschieden – und der linken Umweltpartei Inuit Ataqatigiit (IA) zum Sieg verholfen. IA liegt nach der Abstimmung am Dienstag mit 36,6 Prozent der Stimmen deutlich vor den Sozialdemokraten von Siumut, die nur noch 29,4 Prozent der Stimmen erhielten. Die seit der Erlangung der Autonomie 1979 fast ständig regierenden Siumut haben damit die Wahl verloren, die auch als eine Art Volksabstimmung über das Bergbauprojekt angesehen werden kann.

Im Wahlkampf hatte sich IA, die auch viele Angehörige der Volksgruppe der Inuit vertritt, zum Sprachrohr der Gegner des Minenprojekts an der Südspitze Grönlands aufgeschwungen. Besonders die Tatsache, dass zusammen mit den seltenen Erden auch große Mengen an Uran gefördert werden würden, hatte in der Bevölkerung und bei Umweltschützern große Bedenken ausgelöst. Eine getrennte Förderung der Stoffe galt als nicht möglich. Die Angst vor der radioaktiven Substanz bestimmte die Wahl.

Rückschlag für die Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark?

Der erst 34 Jahre alte IA-Chef Múte Bourup Egede versprach nach der Abstimmung nun auf das umstrittene Bergbauprojekt zu verzichten. In einem Interview mit Danmarks Radio sagte Egede: »Man soll auf das Volk hören, und das Volk…