Und der Tiger, der hat Zähne…

Erst Tag 2 der offiziellen Entscheidungsphase um die Unionskanzlerkandidatur zwischen CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder. Aber es fühlt sich an wie der Schlussspurt. Täglich melden sich mehr Gegner von Laschet, schwindet seine Autorität, während Söder immer markiger auftritt. Wer noch bezweifeln sollte, dass Söder diese Kandidatur will, mit jeder Faser seiner Existenz, sollte seinen gestrigen Auftritt bei »Markus Lanz« anschauen.

Lanz‘ Studio entwickelt sich zu einer Art Assessment-Center für die Bundespolitik: Ist er zu hart, bist du zu weich. Söder hat bestanden, das sei verraten, und nutzte die Chance, um Laschet, der jüngst furchtbar Schiffbruch bei Lanz erlitten hatte, gleich noch mal zu tunken. Fast jedes Söder-Statement über ihn hatte eine fiese Doppelbödigkeit.

Am Anfang stand eine echte News: Söders altes Mantra, sein Platz sei in Bayern, gilt nicht mehr. Er werde ständig in Berlin gebraucht, stellte der Ministerpräsident klar, vielleicht im Herbst auch bei Koalitionsgesprächen. »Man muss überall mit uns rechnen.« Dann ging es um einen schärferen Lockdown, den er und Angela Merkel sich angeblich gut vorstellen könnten. Aber leider, leider hätten manche Länder noch nicht mal die Notbremsen-Klausel konsequent umgesetzt – dabei müsse sie doch »ein Tiger sein, der beißen kann«.

In Söders Welt sind die Rollen von Tiger und Bettvorleger klar verteilt. Deshalb schreibt er Corona-Mahnbriefe auch lieber mit dem Grünen Winfried Kretschmann, der die CDU gerade vernichtend geschlagen hat, als mit Laschet. Auf die Frage nach dem Warum sagte Söder lässig, dass der Armin doch vor seinem »mutigen Statement« zum Brücken-Lockdown auch nicht »Bremen gefragt hätte, ob die mitmachen würden«. Bremen! Ausgerechnet diesen aus Sicht der Union linksversiffte Zwergstaat irgendwo im Norden nennt Söder als geeigneten Spielkameraden für Laschet.

Dann erinnert Söder selbst an Laschets verkorksten Lanz-Auftritt. Er…