Seit 20 Jahren hat Dominik Stöckinger diesem Moment entgegengefiebert. Am heutigen Mittwoch ist es endlich so weit: Die Kollaboration des sogenannten Myon-g–2-Experiments, an dem Stöckinger beteiligt ist, gibt ihre Messergebnisse der Öffentlichkeit bekannt. Für Teilchenphysiker ist dies ein historischer Augenblick. Denn sie erhoffen sich einen allerersten, wenngleich noch schemenhaften Blick ins Reich einer neuen Physik.

Als Theoretiker war Stöckinger von Anfang an dabei, als die Planung eines neuen Experiments am Fermilab nahe Chicago begann. Das Ziel waren Präzisionsmessungen an einem Elementarteilchen namens Myon. Die Physiker interessieren sich für dieses Teilchen, weil es als besonders sensibel für Phänomene jenseits der bekannten Naturgesetze gilt.

Vor rund 50 Jahren wurden die heute als gültig betrachteten Naturgesetze im sogenannten Standardmodell zusammengefasst. Es beschreibt die Wechselwirkungen aller bekannten Teilchen, und es wurde seither immer wieder und zum Teil mit geradezu beeindruckender Präzision bestätigt.

Der Fluch der Teilchenphysik

Inzwischen ist der Triumph zum Fluch geworden: Mit immer größerem Aufwand versuchen die Teilchenphysiker, an die Grenzen des Standardmodells vorzustoßen. Mit immer mehr Wucht lassen sie Teilchen aufeinanderkrachen, um nach dem Crash nach Splittern zu suchen, die ihnen unbekannt sind. Doch bisher ohne jeden Erfolg. Statt den Forschern neue Physik zu bescheren, bestätigte selbst der riesige Teilchenbeschleuniger LHC am CERN nur die alte.

Nun könnten die so lange ersehnten ersten Anzeichen einer neuen Physik aus einer anderen Teilchenfabrik kommen: dem amerikanischen Fermilab. Die Forscher dort nutzen eine besonders raffinierte Methode, um die Physik jenseits des Standardmodells auszuloten: Sie entsenden Myonen als Messfühler ins Unbekannte.

Myonen sind in ihren Eigenschaften mit den Elektronen verwandt, nur dass sie rund 200-mal schwerer sind. Das macht sie besonders geeignet als Kundschafter der Terra…