Die schreckliche Fratze von Corona zeigt sich in Krankheit, Tod und Verzweiflung für viele Menschen. Frauen sind damit täglich konfrontiert, denn sie tragen eine besonders schwere Last in der Pandemie. Frauen sind stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, haben schlechteren Zugang zu Gesundheitsversorgung, und allzu oft bekommen sie keine wirtschaftliche oder soziale Unterstützung.

Die Pandemie hat die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern massiv verstärkt. Das ist ein deprimierendes Fazit des 408-seitigen Amnesty-Jahresberichts. Er sollte jedem Politiker nach Hause geschickt werden, denn für viele Frauen ist die Lage dramatisch.

Sie brauchen gezielte Unterstützung, werden in vielen Ländern aber kaum in ihrer besonderen Situation beachtet. In Indien verloren Frauen überproportional ihre Arbeit in der ersten Pandemiewelle. Allein im März und April 2020 hatten über 15 Millionen Inderinnen plötzlich keinen Job mehr, als sie ihre ohnehin schon prekären Arbeitsplätze verloren. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Lateinamerika.

Erhöhte Jobverlust-Gefahr

Das Risiko für Frauen, während der Pandemie ihren Job zu verlieren, stieg um 44 Prozent. Es ist erschütternd, wie gleichgültig dies hingenommen wird. Erstaunlich oft wird auch vergessen, dass in Pflegeberufen weltweit zu 70 Prozent Frauen arbeiten. Sie tragen damit ein höheres Infektionsrisiko, sind besonders gefährdet an COVID-19 zu erkranken.

DW-Chefredakteurin Manuela Kasper-Claridge

Wir brauchen Maßnahmen, die Frauen gerade auch in der Pandemie schützen. Proaktiv und nicht Reaktiv – denn sonst ist es oft zu spät. Wir brauchen Leadership. Mutige Politik, die die Situation von Frauen erkennt, Frauen fördert und nicht marginalisiert.

Doch davon ist nur wenig zu sehen. Stattdessen wird nur auf die kurzfristige gesundheitspolitische Bekämpfung der Pandemie fokussiert und nicht erkannt, wo sich die Lage zusätzlich verschärft.

Nehmen wir zum Beispiel die Tatsache, dass Notunterkünfte und andere Anlaufstellen…