Den Austritt aus der Europäischen Union sieht die britische Regierung als Chance, ihren »Platz in der Welt zu definieren und auszubauen«. Wie das genau aussehen – und vor allem klappen – soll, war nach dem Brexit noch lange unklar. Selbst die Brexiteers untereinander hatten widersprüchliche Ideen.

Einblicke, wohin die Briten im kommenden Jahrzehnt streben, gewährt nun ein 114 Seiten langer Bericht zur Verteidigungs- und Außenpolitik. Das Dokument hält einige Überraschungen bereit:

Boris Johnson und seine Regierung wollen zum ersten Mal seit Dekaden das nukleare Arsenal aufstocken – anstatt es, wie eigentlich vorgesehen, in den kommenden Jahren zu reduzieren.

Investitionen in Militärtechnologie sollen forciert, die Truppengröße muss dafür reduziert werden.

Das Königreich soll in eine »technologische Supermacht« und eine »Soft Power Superpower« verwandelt werden, die mit ihren Forschungs- und Kulturinstitutionen, der BBC und der Monarchie globalen Einfluss ausübt.

Der Premierminister nannte den Ausblick den »radikalsten« seiner Art »seit dem Kalten Krieg«. Tatsächlich legt die Regierung sich darin fest: auf die Idee eines »Global Britain« mit einer ambitionierten Politik außerhalb Europas. Die geopolitischen Ziele steckt sie dabei hoch – und definiert klare Fronten. »Die Strategie ist in verschiedenem Sinne radikal«, sagt die Außenpolitikexpertin Ulrike Franke.

SPIEGEL: Großbritannien nennt in dem Bericht einen klaren Feind: Russland. Auf Moskau gehe die »unmittelbarste Bedrohung unserer Sicherheit« zurück, schreibt die Regierung und spricht von »feindlichen« Aktivitäten. Was soll die offene Konfrontation?

Franke: Die klare Positionierung gegenüber Russland war zu erwarten. Das Vereinigte Königreich hat sich hierbei auch in der Vergangenheit eindeutig geäußert – besonders seit der Vergiftung des russischen Doppelagenten Sergej Skripal. Der Bericht trägt also letztendlich nur der sich stetig verschlechternden Realität…