Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet auf kurze bis mittlere Sicht mit einem anhaltenden Boom an den US-Börsen. Trotz bereits sehr hoher Kurse sorgten ein starkes Wirtschaftswachstum und eine lockere Geldpolitik für weiteren Auftrieb, erläuterte der Fonds in seinem an diesem Dienstag veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht.

Sorgen bereitet dem IWF allerdings, dass Investoren übermäßige Risiken eingingen. Allein der breit gefasste US-Leitindex S&P 500 hat seit vergangenem September mehr als 21 Prozent zugelegt. Der deutsche Leitindex Dax hat an diesem Dienstag seinen Rekordlauf nach dem langen Osterwochenende fortgesetzt. Der deutsche Leitindex übersprang an diesem Dienstag erstmals die Marke von 15.300 Punkten.

„Relativ zu den Fundamentaldaten ist das Niveau an den Börsen überzogen“, sagte IWF-Finanzexperte Tobias Adrian. Insbesondere die Bewertungen im Technologiesektor seien übertrieben. „Wir befinden uns in einer weiteren Tech-Revolution, in etwa wie 1999, und es könnte irgendwann zu einer Anpassung kommen“, warnte er. Kurzfristig und vielleicht auch mittelfristig blieben die Finanzierungsbedingungen aber konjunkturstützend und der Boom an den Märkten halte an.

Nach Einschätzung des IWF wird die Erholung der Volkswirtschaften von den Folgen der Pandemie unterschiedlich verlaufen. Insgesamt soll die Weltwirtschaft 2021 um sechs Prozent und im kommenden Jahr um 4,4 Prozent wachsen. Bei der letzten Prognose im Januar hatte er für dieses Jahr ein Wachstum von 5,5 Prozent und von 4,2 Prozent für 2022 erwartet.

Schwellenländer als Risiko

Es bestehe aber die Gefahr, dass sich die Finanzierungsbedingungen in den Schwellenländern deutlich verschärften. Dies gelte vor allem dann, wenn es zu einer Abkehr von der lockeren Geldpolitik in den Industrieländern komme. Die gefährliche Verflechtung von Banken und Staaten habe insbesondere in den Schwellenländern zugenommen. Dort hätten heimische Banken einen Großteil der neuen Schulden der Regierungen…