Die von US-Finanzministerin Janet Yellen vorgeschlagene Einführung eines weltweiten Mindeststeuersatzes für Unternehmen kann dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge den Standort Deutschland nützen. »Deutschland ist im internationalen Vergleich ein Hochsteuerland. Daher sind internationale Mindestsätze bei der Besteuerung von Unternehmen zunächst mal eine gute Sache«, sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr am Dienstag. »Es lohnt dann weniger, aus rein steuerlichen Gründen den Firmensitz oder gar die Produktion aus Deutschland ins Ausland zu verlagern.« Auch innerhalb der Europäischen Union würde der Druck steigen, die stark unterschiedlichen Unternehmenssteuern zu vereinheitlichen.

Gleichzeitig müsse man die Details genau ansehen. Wenn die internationale Mindestbesteuerung mit einem Schwenk hin zum Ziellandprinzip einhergehe – nach dem Gewinne dort besteuert werden, wo sie tatsächlich umsatztechnisch entstehen –, »dann wäre das für das Exportüberschussland Deutschland ein Problem«, sagte Felbermayr. Der Grund: Die Bemessungsgrundlage für die Unternehmensbesteuerung würde kleiner – und damit die Einnahmen des Fiskus. »Wir konsumieren bekanntlich weniger als wir produzieren«, sagte der Chef des IfW.

US-Finanzministerin Yellen hatte am Wochenende ihre Forderung nach einem weltweiten Mindest-Steuersatz für Unternehmen öffentlich bekannt gemacht. Daran arbeite sie derzeit mit den in der G20-Gruppe zusammengeschlossenen großen Industrie- und Schwellenländern, sagte sie am Montag in einer Rede vor einem Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Das Vorhaben des neuen US-Präsidenten Joe Biden könne dabei helfen, ein seit 30 Jahren andauerndes Wettrennen um die niedrigsten Steuersätze zu beenden.