„Wenn es an der Zeit ist, darf ich, falls ich es noch kann, in eigener Verantwortung über Zeitpunkt und Art des Sterbens entscheiden.“ So schrieb der weltweit bekannte Kirchenkritiker in seinem 2014 erschienenen Buch „Glücklich Sterben?“. Darin erläuterte er seine Thesen zur Sterbehilfe und befeuerte damit eine emotionale Debatte in Deutschland. Dass der emeritierte katholische Theologieprofessor dies mit seinem christlichen Glauben untermauerte, konnten selbst etliche seiner Freunde und Wegbegleiter nicht nachvollziehen. Auch mit dieser Einstellung stellte er sich quer zur katholischen Kirche, die jede Form aktiver Sterbehilfe ablehnt.

Nun ist Hans Küng tot. Er sei am Dienstag (06.04.2021) friedlich in seinem Haus in Tübingen eingeschlafen, teilte eine Sprecherin der „Stiftung Weltethos“ mit. Der Gründer dieser Stiftung, die um „einen visionären Vordenker für eine gerechtere und friedlichere Welt“ trauert, wurde 93 Jahre alt.

Vielversprechende Karriere

Das Querdenken und Provozieren war zeitlebens seine Art. Geboren wurdeHans Küng am 19. März 1928 in Sursee, zwischen Basel und Luzern gelegen. Vielleicht trägt das urdemokratisch-querköpfige Milieu der Zentralschweiz dazu bei, dass der Sohn eines Schuhhändlers keine Angst vor Amtsträgern und großen Köpfen hat, wenn es darum geht, seine Sicht der Dinge kundzutun.

Zugang zum Wissen – die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom

Seine vielversprechende berufliche Laufbahn beginnt 1948 mit dem Studium der Theologie und Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Am Tiber folgt 1954 die Priesterweihe, und 1957 promoviert der 32-Jährige an der Sorbonne in Paris. Ohne Habilitation wird er 1960 zum Professor für Fundamentaltheologie an die Universität Tübingen berufen.

Das Konzil und die Folgen

Bevor Hans Küng ein umstrittener Theologe wird, ist er zunächst ein hoffnungsvolles Talent, ein blitzgescheiter theologischer Ratgeber. Seine Fähigkeiten erkennt auch der damalige Bischof von…